Autor: michael.gerhardt

Dialog und Kontroverse: Tagung zu Hygienepapier und Nachhaltigkeit

Am 17. und 18. Januar 2018 diskutierten Fachleute aus Umwelt- und Entwicklungsverbänden, Hersteller und Handel im Bremer Jugendgästehaus über Schritte für eine verantwortungsvolle Produktion von Papier für Babywindeln oder Taschentücher. Unter dem Titel “Hygienepapier – Wege zu mehr Nachhaltigkeit” hatte denkhausbremen gemeinsam mit Kooperationspartnern bundesweit nach Bremen eingeladen. Umweltverbände wie der WWF, Greenpeace, BUND, Robin Wood und Environmental Paper Network (EPN) machten deutlich, wie gravierend die globalen Folgen der Papierproduktion für Wälder und das Klima sind. Den massiven Ausbau von Zellstoff-Fabriken und industriellen Plantagen in Ländern wie Brasilien und Indonesien schilderten die Gäste ebenso wie die Problematik giftiger Chemikalien in der Papierherstellung. Wenn als Folge der Papierherstellung hochgiftiges Dioxin in Hygieneprodukten wie Windeln oder Tampons gefunden werde, dann sei der Umstieg auf chlorfreie Zellstoffbleichung mit Sauerstoff dringend geboten, machte der schwedische Experte für Bleichverfahren, Rune Leithe, deutlich. Dass die Zellstoffbleichung ohne Chlor teurer und aufwendiger wäre, sei dabei ein Mythos aus vergangenen Tagen. Papier- und Zellstoffhersteller wie WEPA, Fripa und Södra sowie EinzelhandelsvertreterInnen von ALDI und Bio Company stellten ihr bestehendes Engagement für eine ökologisch …

Fachkongress „Hygienepapier – Wege zu mehr Nachhaltigkeit“

Auf dem Fachkongress „Hygienepapier – Wege zu mehr Nachhaltigkeit“ werden Lösungsstrategien für einen verantwortungsvollen Umgang bei der Produktion sowie dem Handel und Konsum von Hygienepapier diskutiert. Der Kongress richtet sich an NGOs, Hersteller, Handel und interessierte BürgerInnen und wird gemeinsam von Environmental Paper Network, Hochschule Bremen und denkhausbremen veranstaltet. Er findet am 17. und 18. Januar 2018 in Bremen statt. Hintergrund der Konferenz Der Papierverbrauch in Deutschland stagniert seit Jahren auf einem anhaltend hohen, aus Sicht von Umweltverbänden nicht-nachhaltigen Niveau. Länder des globalen Südens, wie Brasilien und Uruguay, haben sich mittlerweile als Hauptlieferanten des für die Papierproduktion benötigten Zellstoffs aus Eukalyptus etabliert. Dort steht die Papierindustrie wegen sozialer Konflikte und ökologischer Schäden in der Kritik von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. Auch der Hygienepapier-Verbrauch in Deutschland ist mit 19 kg pro Kopf im Jahr höher als der europäische Durchschnitt. Darüber hinaus könnte der Recyclinganteil hier signifikant höher sein. Bei der Bleichung des Zellstoffes werden zudem noch immer umstrittene Chlorverbindungen eingesetzt. Diese können sich auch in den Endprodukten wiederfinden: Erst vor kurzem konnte das ZDF-Verbrauchermagazin WISO Dioxin bei …

Degrowth und Mobilität

Unter der Fragestellung “Wie wird sich unsere Mobilität verändern und was bedeutet das für die Beschäftigten im Automobilsektor?” hatte denkhausbremen am 16. November 2017 in die Bremer Bürgerschaft geladen. Verkehrsforscher Helmut Holzapfel vom Zentrum für Mobilitätskultur Kassel diskutierte mit Elke Tönjes-Werner, stellv. Betriebsratsvorsitzende der Mercedes-Benz-Werke in Bremen. Der Diskussionsabend fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Arbeit ohne Wachstum?” statt, die gemeinsam mit Arbeitnehmerkammer Bremen und Hochschule Bremen durchgeführt wird. “Für die Umwelt und die Menschen in den Städten kommt es schlicht darauf an, dass insgesamt weniger Autos auf den Straßen fahren”, betonte Helmut Holzapfel. Er machte deutlich, dass viele Umweltfolgen auch mit Elektroautos bestehen bleiben. So entstünden 80 bis 90 Prozent des Feinstaubs im Straßenverkehr nicht durch die Motoren, sondern durch den Abrieb von Bremsen und Reifen. Zudem nehmen Gewicht und Größe von Autos derzeit mit jedem neuen Modell zu. Fortschritte bei der Effizienz würden so stets wieder zunichte gemacht. Ein zukunftsfähiger Ansatz für die etablierten Automobilkonzerne sei das Anbieten von Mobilitäts-Services als neues Geschäftsmodell. Holzapfel entwirft eine andere Art urbaner Mobilität: Mit Hilfe weitsichtiger Stadtplanung …

Steuertrick-Konzern und SUV-Freund zu Gast beim 30. Bremer Unternehmerforum

PRESSEMITTEILUNG: Das Donnerstag (23.11.17) im Bremer Parkhotel stattfindende 30. Unternehmerforum verpasst sicher die Chance, über wirklich relevante Zukunftsfragen zu diskutieren – das zeigt allein ein Blick auf die Referentenliste. Podiumsgäste sind u.a. Steuervermeider wie Microsoft oder der Cheflobbyist vom Autoverband VDA, die Konzernprofite über das Allgemeinwohl stellen. Das kritisiert die Organisation denkhausbremen, die gemeinsam mit den großen Umweltverbänden die sozial-ökologische Transformation diskutiert. Am liebsten reden Techkonzerne wie Microsoft über wolkige Themen wie Digitale Transformation, Web 4.0 oder kommunizierende Kaffeemaschinen. Von Microsoft können die Bremer UnternehmerInnen aber vor allem lernen, wie man sich trotz Milliardengewinne erfolgreich arm rechnet und in der Hitliste der Steuervermeider einen Spitzenplatz einnimmt. Über 100 Mrd. soll der Softwareriese vor dem Zugriff der Allgemeinheit in sogenannten Steueroasen geparkt haben. Podiumsgast Matthias Wissmann und seinem VDA (Verband der Automobilindustrie) ist es zu verdanken, dass ein Spritfresser wie der Porsche Cayenne das gleiche EU-Ökolabel tragen darf wie der Kleinwagen Renault Twingo. Wie es dazu kommen konnte? Der VDA soll nach Recherchen der Organisation Lobbycontrol den Politikern den Verordnungstext mehr oder weniger direkt diktiert haben. …

Umweltausschuss des Europäischen Parlaments setzt falsches Signal zum Klimaschutz!

Rückschlag für Klimaschutzstrategie der EU bis 2030: Umweltausschuss des Europäischen Parlaments will an Holzverfeuerung zur Stromerzeugung festhalten! Die Europäische Union überarbeitet derzeit ihre Klimaschutzstrategie bis 2030. Auch die derzeitige Praxis der Anerkennung von industrieller Holzverfeuerung zur Stromerzeugung als Klimaschutzmaßnahme steht in Brüssel auf dem Prüfstand. Die EU-Kommission hat dafür bereits seine Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie vorgelegt, die in der Brüsseler Bürokratensprache das Kürzel RED II (Renewable Energy Directive) trägt. Zeit für eine erste Wasserstandsmeldung aus den Ausschüssen des Europäischen Parlaments, die nichts Gutes erwarten lässt und bisher in die falsche Richtung weist. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (ENVI) hat sich in seiner Sitzung am 23. Oktober 2017 gegen eine Änderung der bisherigen Praxis bei Biomasse ausgesprochen, d.h. eine Förderung von Verfeuerung von Holz zur Stromerzeugung soll weiterhin Teil der EU-Klimastrategie bis 2030 sein. Die Ergebnisse der Sitzung des Umweltausschusses zur zukünftigen Biomasse-Strategie der EU sind u.a.: Eine Verbesserung der Anforderungen an die Effizienz der Stromerzeugung aus Biomasse wird nicht angestrebt. Es soll keine Einschränkungen bei der Verwendung von Rundholz, ganzen Bäumen, und Stümpfen bei der Verbrennung …

Weniger Wachstum – Mehr Gerechtigkeit

Wer hätte das gedacht? Dass die großen deutschen Umweltverbände eine Abkehr vom Wachstumsdenken fordern, ist vielleicht nicht wirklich überraschend. Dass sie gleichzeitig unisono auch für mehr soziale Gerechtigkeit eintreten, lässt allerdings aufhorchen. Genau das ist jedoch die durchaus überraschende Quintessenz der Interviewreihe, die denkhausbremen mit aktiven und ehemaligen Führungskräften von sechs Umweltverbänden geführt hat. Darin äußern sich die Umweltfachleute auch über ihr ambivalentes Verhältnis zur Industrie, blicken zurück auf Erfolge und Misserfolge der bundesdeutschen Umweltbewegung und schildern ihre Ideen für die Zukunft. Sackgasse Wachstum Bei dieser Diagnose sind sich die Befragten einig: Das Märchen vom Wirtschaftswachstum ist auserzählt. Eine auf permanentes Wachstum programmierte Wirtschaft erschöpft auf Dauer unseren Planeten. Zu dumm nur, dass die Menschheit genau in dieser Richtung unterwegs ist. Und mittendrin befinden sich die Umweltverbände mitsamt Spender/innen und Unterstützer/innen. Folgerichtig fordern die befragten Fachleute von BUND, Greenpeace, NABU, WWF und Co. einen mehr oder weniger radikalen Kurswechsel. Aber wie soll das gehen? Die aktuelle Postwachstums-Diskussion kann darauf möglicherweise eine Antwort geben. Aus diesem Grund beobachten etablierte Verbände wie der WWF die wachstumskritische Debatte …

Interviewreihe mit Umweltverbänden: Mehr Gerechtigkeit – Weniger Wachstum

Die großen deutschen Umweltverbände sind sich einig, dass ohne soziale Gerechtigkeit ein ökologischer Wandel nicht zu haben ist. Das ist die überraschende Quintessenz der heute veröffentlichten Interviewreihe, die von der Organisation denkhausbremen mit aktiven und ehemaligen Führungskräften der Umweltverbände geführt wurde. Befragt wurden Fachleute von BUND, Deutscher Naturschutzring, Greenpeace, NABU, NaturFreunde und WWF. Die Interviewten fordern darüber hinaus eine Abkehr vom Wachstumsdenken – bis hin zu dem Appell, eine Art neue APO zu bilden. Die denkhausbremen Interviewreihe mit dem Titel “Wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft besser gestalten” beleuchtet den Einfluss der wachstumskritischen Debatte auf die Umweltverbände. “Es ist bemerkenswert, dass sogar etablierte Naturschutzverbände, deren Wurzeln ins bürgerliche Milieus hineinreichen, das allgegenwärtige Wachstumsparadigma in Frage stellen”, erläutert denkhausbremen-Geschäftsführer Peter Gerhardt. Soziale Gerechtigkeit ist für die großen deutschen Umweltverbände zentral. „Wenn wir nicht zusehen, dass sich auch Menschen mit niedrigeren Einkommen ein gutes Leben leisten können, dann werden wir am Ende nicht erfolgreich sein“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke in diesem Zusammenhang. Auch politische Projekte wie der Kohleausstieg sollten, so Tschimpke, sozialverträglich gestaltet werden. Die befragten …

degrowth: eine Fotoserie von Eva-Maria Lopez

Die Künstlerin Eva-Maria Lopez hat in Kooperation mit denkhausbremen die Fotoserie degrowth initiiert um ein breiteres Publikum in diese relevante Zukunftsdiskussion einzubinden: Fragen zu Wachstum, Glück, Mobilität werden in eine Bildsprache übersetzt. Was bedeutet Degrowth für Individuum und Gesellschaft? Das Projekt erzeugt hier Synergien aus Kunst und Wissenschaft, lotet Schnittmengen aus, macht Zielkonflikte fühlbar und beleuchtet Aspekte aus neuen Blickwinkeln. Die Künstlerin zeigt auf, dass die abstrakte Diskussion über Degrowth ganz konkret vor die eigene Haustür führt. Die Biodiversität bleibt auf der Strecke – kahle, versteinerte Vorgärten und naturidentische Textilbänder an den Zäunen sprechen ihre eigene sterile Sprache… Eva-Maria Lopez gliedert Ihre Arbeit in die Serien Pages und Konsum & Ressourcen: Pages zeigt Börsennotierungen in internationalen Zeitungen und Werbung überlagert im Gegenlicht fotografiert. Konsum & Ressourcen nimmt die Betrachter mit in die inverse Shoppingmall einer Wertstoffsammelstelle. Alles was in der Fußgängerzone oder in Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu finden ist – wie Kleinhaushaltsgeräte, das Küchenstudio mit Kühlschränken und Backofen, einen Minicontainer für Handys – gibt’s hier kompakt auf ein paar Quadratmeter. An allen drei …

Klimacamp Rheinland 2017: Workshop zu Gefahren von Energie aus Biomasse

(Erkelenz, 21.08.2017) denkhausbremen hat sich mit einem Workshop zum Thema „Biomasse-Energie: Eine neue Gefahr für Wälder, Klima und Menschen“ am Klimacamp Rheinland 2017 beteiligt. Peter Gerhardt (denkhausbremen) erläuterte, warum die Verwendung von Holz als Energielieferant in industriellem Maßstab eine Fehlentwicklung ist, die den Druck auf die Wälder weltweit weiter erhöht. Er kritisierte die Konzerne E.ON/Uniper und RWE/Innogy für die Umrüstung von veralteten Kohlekraftwerken auf Holzverbrennung scharf und zeigte die Folgen für Wälder und Menschen u.a. in Nordamerika und Südfrankreich auf. Möglich ist dies alles auf Grundlage einer verfehlten Förderpraxis der Europäischen Union, berichtete Gerhardt. Co-Referent Wolfgang Kuhlmann von der Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz ARA diskutierte mit den Umweltaktivist*innen, wie die Verbrennung von Holz als Energieträger für das Klima zu bewerten ist. Er verdeutlichte, dass die industrielle Verbrennung von Holz zur Energiegewinnung keineswegs klimaneutral ist, obwohl dies vielfach so behauptet und bewertet wird. Weitere Infos zum Klimacamp Rheinland 2017: hier klicken Fotos: Michael Gerhardt (denkhausbremen)

Papierverschwendung durch Gelbe Seiten & Co.

PRESSEMITTEILUNG Freitag, 10. August 2017 Papierverschwendung durch Gelbe Seiten & Co. Über 200.000 kg wiegt der Papierberg, der alleine in Bremen in Form Gelber Seiten und Telefonbücher verteilt wird. Denkhausbremen sieht darin eine umweltschädigende Papierverschwendung und fordert, die flächendeckende Verteilung einzustellen.    Aktuell flattern wieder die neuesten Ausgaben von Gelbe Seiten und dem örtlichen Telefonbuch in die Bremer Haushalte. Denkhausbremen hält diese pauschale Verteilung für unzeitgemäß. Der gemeinnützige Verein fordert, dass die Printvarianten der beiden Nachschlagewerke nur an Haushalte zugestellt werden, die sich ausdrücklich ein Exemplar wünschen. „Wir wollen niemandem sein Telefonbuch vorenthalten”, stellt Jonas Daldrup von denkhausbremen klar. Derzeit beträgt die Auflage der beiden Telefonverzeichnisse für den Raum Bremen ca. 150.000. Oftmals unbestellt und nicht abgeholt liegen diese Bücher, die insgesamt über 200.000 kg Papier ausmachen, dann in unzähligen Hausfluren. „Sicherlich könnte die Druckauflage stark reduziert und große Mengen Papier eingespart werden. Das wäre ein Dienst an der Umwelt“, betont Daldrup. Auch eine jährliche Neuauflage hält er für übertrieben. Mit “2,4 Millionen Nutzungen pro Jahr” rechtfertigen Gelbe Seiten die Printversion ihres Branchenverzeichnisses. Dem entgegen …