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Bedroht die Energiewende den Wald in Deutschland?

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von Wolfgang Kuhlmann

Wenn von erneuerbaren Energien die Rede ist, denken die meisten an Sonne und Wind. Doch die helfen in erster Linie bei der Stromproduktion. In den Bereichen Wärme und Verkehr spielen sie kaum eine Rolle. Hier geht fast nichts ohne Biomasse. In flüssiger und fester Form liefert sie fast 60 Prozent der erneuerbaren Energie in Deutschland.

Holz wird in erster Linie bei der Bereitstellung von Wärme genutzt. 2015 waren es fast 10 Prozent des deutschen Wärmeverbrauchs, die in Form von Brennholz, Pellets, Hackschnitzeln oder Holzbriketts gedeckt wurden. Die Auswirkungen sind auch im Wald zu spüren.

15 Millionen Holzöfen und -kamine werden jedes Jahr mit rund 34 Mio. m³ Holz befeuert. Zwei Drittel davon stammt direkt aus dem Wald. Addiert man dazu den Einsatz von Waldholz in Holzheizkraftwerken und bei den Herstellung von Holzbriketts und Pellets, kommt man auf rund 24 Mio. m³. Das ist rund ein Drittel der jährlichen Holzernte.

Bezieht man auch noch Durchforstungsholz, Altholz und die Abfälle aus Sägewerken mit ein, so wird bereits etwa die Hälfte des Holzaufkommens in Deutschland energetisch genutzt. Allzu viel Spielraum nach oben ist da nicht mehr, doch die Nachfrage nach dem Brennstoff wächst.

Fragt man die Betreiber von Kohlekraftwerken, wie sie sich Klimaschutz vorstellen, ist selten die Rede davon, die Anlagen so schnell wie möglich abzustellen. Stattdessen soll der klimaschädliche Brennstoff durch einen vermeintlich klimafreundlichen ersetzt werden: Holz. Ohne größere Veränderungen an den bestehenden Anlagen können 10 % der Kohle durch Holz ersetzt werden. Wenn es genügend Fördergelder für die nötige Umrüstung gibt, ist auch eine komplette Umstellung möglich. Beispiele aus England, Frankreich, den Niederlande oder Polen zeigen, dass diese Art der „Energiewende“ auf großes Interesse stößt.

Und wie sieht es in Deutschland aus? Hier stammen immer noch 40 Prozent des Stroms aus Kohle – und daran hat sich in den letzten zehn Jahren wenig geändert. Die Betreiber der Anlagen würden lieber heute als morgen mit der Beifeuerung von Holz beginnen – wenn die Kosten endlich vom Steuerzahler übernommen würden.

2011 versuchte die Deutsche Energie-Agentur (dena) dafür Werbung zu machen. Um einen 10-prozentigen Co-Firing-Anteil in deutschen Steinkohlekraftwerken zu erreichen, würden 7 Millionen Tonnen Holzpellets benötigt. „Diesen Bedarf könnte Deutschland durch einen Mix aus heimischer und importierter Biomasse decken“, heißt es in einer Studie, die „mit freundlicher Unterstützung“ der Firma Vattenfall herausgegeben wurde.

Die deutsche Holzpelletproduktion liegt derzeit bei rund 2 Millionen Tonnen und die Kapazität bei etwa 3,2 Millionen Tonnen. Da wundert es nicht, dass auch der Deutsche Energieholz- und Pelletverband von einer Förderung des Co-Firing wenig begeistert ist. Man könne dem Verbraucher in Deutschland nicht einerseits Pellets als hocheffizient und ökologisch verkaufen und dann Pellets aus Übersee verheizen und das auch noch staatlich fördern, damit es überhaupt rentabel wird. Der Verbraucher könne nicht erkennen, das Co-Firing-Pellets ein völlig anderes Produkt sind, so der Geschäftsführer Martin Bentele.

Auch die letzte Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das seit Januar 2017 in Kraft getreten ist, macht den Produzenten von Kohlestrom keine Hoffnung, ihre Klimabilanz durch das Verheizen von Holz zu verbessern. Allen Bemühungen zum Trotz wird die Stromerzeugung aus Biomasse nur in Anlagen bis maximal 20 Megawatt elektrische Leistung gefördert – und das auch nur bei geeigneter Kraft-Wärme-Kopplung.

Wegen der schlechten Effizienz lehnen auch Verfechter der energetischen Holznutzung den Einsatz in alten Kohlekraftwerken ab. „Verstromt man Holz, sollte dabei unbedingt auch die Wärme genutzt werden“, heißt es von Seiten des Europäischen Biomasseverbands Aebiom.

So sieht es auch das EEG, das für 2017 bis 2019 einen Zubau von Biomasseanlagen mit einer installierten Leistung von jährlich bis zu 150 MW vorsieht. In den Folgejahren soll der Zubau auf 200 MW erhöht werden. Hierfür wird es jedes Jahr eine Ausschreibung geben, um die Förderhöhe für einzelne Erneuerbare-Energien-Anlagen zukünftig im Wettbewerb festzulegen.

Ausgenommen davon sind kleine Biomasseanlagen bis zu 150 kW, für die die Möglichkeit besteht, eine gesetzlich festgelegte Vergütung in Höhe von 13,32 ct/kWh in Anspruch zu nehmen und nicht an der Ausschreibung teilzunehmen.

Darüber hinaus versucht die Bundesregierung, mit Hilfe eines Marktanreizprogramms (MAP) den Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung zu erhöhen. Hauptsächlich für den Gebäudebestand wird der Einsatz von Solarthermie-Anlagen, effizienten Wärmepumpen oder Holzpellet-Heizungen im Bereich von 5 bis 100 kW gefördert.

1 Kommentare

  1. Regina Rensink sagt

    Noch schlimmer als die Biomasse-Verbrennung ist Biomasse + CCS. Die Arbeitsgruppe III des IPCC – unter Ko-Vorsitz von Prof. Edenhofer, stellv. Chef des PIK und Leiter des MCC – hat im April 2014 zur Einhaltung des 2-Grad-Zieles Atomkraft, Fracking und CCS gefordert, vor allem Biomasse und CCS (BECCS). Darauf berufen sich alle Befürworter. Zu den Befürwortern von BECCS gehört leider auch Jennifer Morgan, seit 2016 Ko-Chefin von Greenpeace international. Frau Morgan gehört dem Netzwerk des einflussreichen PIK an. Dessen Chef Prof. Schellnhuber berät nicht nur den Papst, sondern auch die Bundesregierung, die EU, die UN, die Weltbank, die Deutsche Bank etc. . Zu dem Netzwerk gehört insbesondere auch die ECF, Germanwatch etc. etc.
    Zu den Dimensionen von BECCS: 6 Mrd. ha, beinahe die Hälfte der Erdoberfläche würden benötigt (6bn hectares, nearly half of the land surface area of the Earth). Dies ist zu finden in den nachstehenden Quellen:
    https://www.uu.nl/staff/DPvanVuuren

    https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=en&u=https://www.carbonbrief.org/in-depth-experts-assess-the-feasibility-of-negative-emissions&prev=search

    https://www.carbonbrief.org/in-depth-experts-assess-the-feasibility-of-negative-emissions

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