Alle Artikel in: degrowth

degrowth: eine Fotoserie von Eva-Maria Lopez

Die Fotoserie von Eva-Maria Lopez legt den Blickpunkt auf die Aspekte von degrowth in persönlichen sowie alltäglichen Situationen in Deutschland und Frankreich. Die Fotos loten die Schnittmengen von Wachstum, Glück, Mobilität für Individuum und Gesellschaft aus. Die Künstlerin Eva-Maria Lopez begleitet mit Ihrer Fotoserie „degrowth“ das Projekt Dialog Degrowth. Hier diskutiert denkhausbremen gemeinsam mit den großen Umweltverbänden, Wissenschaflern/innen und Aktivisten/innen, wie das Thema Grenzen des Wachstums in die konkrete Verbandsarbeit einfließen kann: zur Projektseite des Dialog Degrowth Alle Fotos: Copyright Eva-Maria Lopez

Norbert Reuter: Es geht nicht nur um höhere Einkommen

Norbert Reuter im Gespräch mit denkhausbremen über das Verhältnis der Gewerkschaften zur Wachstumskritik, die Notwendigkeit von Arbeitszeitverkürzungen und was er sich von den Umweltverbänden wünschen würde. Er arbeitet im Bundesvorstand von ver.di und ist dort Leiter der Grundsatzabteilung Tarifpolitik. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Norbert Reuter kritisch mit Wachstumsfragen und der Entwicklung von Industriegesellschaften. Von 2011 bis 2013 war er sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Deutschen Bundestages.  

Helmut Holzapfel: Neue Mobilität – Mit weniger mehr erreichen

Helmut Holzapfel ist Stadtplaner, Bauingenieur und Verkehrswissenschaftler. Seine Schwerpunkte sind integrierte Verkehrsplanung sowie Mobilitätsentwicklung. Er leitet das Zentrum für Mobilitätskultur in Kassel. Zuvor war er u.a. Professor für Verkehrsplanung in Kassel. Denkhaus Bremen: Sie haben sich als Wissenschaftler mit den Themen Mobilität und Verkehrsplanung auseinandergesetzt. Was ist Ihre Vision für die Mobilität der Zukunft? Helmut Holzapfel: Wir müssen eine andere Mobilitätskultur entwickeln, die wir gerade in den urbanen Zentren gut umsetzen können. Mobilität bedeutet ja nicht ,,weit herum zu fahren“, sondern dass wir räumliche Ziele erreichen wollen. Das Konzept einer „Stadt der kurzen Wege“ setzt das planerisch gut um. Eine neue Mobilitätskultur bringt ein anderes Verhalten mit sich – also zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein statt mit dem Auto. In Städten wie Amsterdam ist das schon heute gut möglich. Der öffentliche Raum bekommt dort sofort wieder einen höheren Stellenwert, mit vielen positiven Auswirkungen. Auf der anderen Seite wird der motorisierte Verkehr natürlich abgewertet. Meine Vision wäre es, in einer Stadt der kurzen Wege den Autoverkehr auf maximal die Hälfte zu verringern und …

Christoph Heinrich: Strategisch wichtige Unternehmen transformieren

Christoph Heinrich ist als Vorstand des WWF Deutschland zuständig für die Naturschutzarbeit. Zuvor leitete er beim NABU Bundesverband bis 2004 den Fachbereich Naturschutz und Umweltpolitik. Der Diplom-Geograph ist seit seiner Jugend ehrenamtlich im Naturschutz tätig und Mitglied zahlreicher Naturschutzorganisationen. Denkhaus Bremen: Wie sind Sie zum Naturschutz gekommen? Christoph Heinrich: Ich bin im Grunde genommen seit meiner Kindheit im Naturschutz aktiv. Schon im Alter von zehn Jahren bin ich in den NABU eingetreten, bin dann immer dabei geblieben und hab das zu meinem Beruf gemacht. Denkhaus Bremen: Wie haben Sie die 1970er Jahre erlebt? Der Club of Rome brachte die Studie “Grenzen des Wachstums” heraus. War das in der damaligen Naturschutzszene ein Thema? Christoph Heinrich: Absolut! Aber beim damaligen Vorgänger des NABU, dem deutschen Bund für Vogelschutz, gab es auch Irritationen. Aus Sicht der Naturschützer gab es jetzt eine Bewegung, die aus Umweltschutz was Politisches machen wollte. Viele traditionelle Naturschützer wollten sich jedoch aus der Politik lieber raushalten. Gleichwohl war das Thema interessant, neu und aufregend. Man konnte Avantgarde sein, wenn man über Naturschutz und Ökosysteme …

Olaf Tschimpke: Planetarische Grenzen sind entscheidend

Olaf Tschimpke im Gespräch mit Denkhaus Bremen. Er ist Geograph und seit Juni 2003 Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Darüber hinaus ist er stellvertretender Vorsitzender des Rates für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung. Denkhaus Bremen: Sie führen den NABU seit 2003 als Präsident und sind schon seit Jahrzehnten bei diesem Umweltverband aktiv. Lassen Sie uns mit einem Rückblick beginnen. Bereits 1972 veröffentlichte der Club of Rome seinen Bericht „Grenzen des Wachstums“. Wurde dieses Thema damals auch im NABU diskutiert? Olaf Tschimpke: 1972 war ich selbst noch nicht hauptamtlich für den NABU tätig. Im Ehrenamt hat das zu der Zeit keine Rolle gespielt, außer im privaten Umfeld derjenigen, die sich dafür interessiert haben. Der NABU hieß noch Deutscher Bund für Vogelschutz und die breitere Themenaufstellung ist erst später erfolgt. Diese geschah unter dem Einfluss der wachsenden Natur- und Umweltschutzbewegung und der allgemeinen gesellschaftlichen Debatte, die von den „Grenzen des Wachstums“ mit angestoßen wurde. Es hat bei uns dann noch eine ganze Weile gebraucht, sich als klassischer Naturschutzverband auch für umwelt- und gesellschaftspolitische Fragen zu öffnen. In der …

Niko Paech: An Postwachstum führt kein Weg vorbei

Niko Paech im Gespräch mit Denkhaus Bremen über Postwachtumsökonomie und wie sich die Umweltverbände für die Zukunft aufstellen sollten. Er war bis 2016 Professor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt der Universität Oldenburg. Seit 2016 lehrt er im Rahmen des Masterstudiengangs Plurale Ökonomik an der Universität Siegen. Niko Paech hat ab 2016 das Konzept der Postwachstumsökonomie in die Diskussion eingeführt. Er skizziert darin ein Wirtschaftssystem, das nicht auf Wirtschaftswachstum angewiesen ist, sondern sich durch Wachstumsrücknahme auszeichnet.  

Adelheid Biesecker: Erwerbsarbeit verkürzen

Adelheid Biesecker im Gespräch mit Denkhaus Bremen über vorsorgendes Wirtschaften, Care Ökonomie, Grenzen des Wachstums und die Rolle der Umweltverbände bei einer Transformation. Adelheid Biesecker war Professorin für Ökonomische Theorie an der Universität Bremen und gehörte der Enquête-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ des Deutschen Bundestages an. Sie ist Mitglied im Netzwerk „Vorsorgendes Wirtschaften“, in der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) und gehört dem Wissenschaftlichen Beirat von attac Deutschland an.  

Angelika Zahrnt: Initiativen vor Ort auf den Weg bringen

Angelika Zahrnt im Gespräch mit Denkhaus Bremen. Sie ist Wirtschaftswissenschaftlerin und war langjährige Vorsitzende und ist heutige Ehrenvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Denkhaus Bremen: Die wachstumskritische Debatte gewinnt an Fahrt. Wie beurteilen Sie die aktuelle Diskussion zu diesem Thema? Angelika Zahrnt: Ich beurteile sie vor dem Hintergrund, dass mich die wachstumskritische Debatte seit meinem Studium in den 60iger Jahren beschäftigt. Wie man dort weiterkommt, ist für mich deshalb auch eine persönliche Frage. Meine Schlussfolgerung ist, dass es nicht mehr ausreicht, die alten Debatten weiterzuführen. Anstatt über alternative Indikatoren zur Wohlstandsmessung und grundsätzliche Fehler am Wachstumskurs zu diskutieren, ist aus meiner Sicht eine Debatte über eine größere Unabhängigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft vom Wachstum notwendig. Zu dieser Frage, wie eine Wirtschaft und Gesellschaft in einer Postwachstumszeit aussehen könnte, habe ich 2010 zusammen mit Irmi Seidl das Buch „Postwachstumsgesellschaft – Konzepte für die Zukunft“ herausgegeben. Wir und andere AutorInnen haben darin u.a. überlegt, wie z.B. unsere sozialen Sicherungssysteme für Gesundheit und Alter verändert werden müssten. Solche Wachstumstreiber machen es so schwierig, vom Wachstumskurs …

Michael Müller: Herausforderung Ein-Drittel-Gesellschaft

Michael Müller im Gespräch mit Denkhaus Bremen. Er ist Vorsitzender der NaturFreunde Deutschlands. Von 2005 bis 2009 war er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und von 1998 bis 2005 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Denkhaus Bremen: Herr Müller, ich würde gerne mit Ihnen über die Geschichte der Umweltbewegung in Deutschland sprechen. Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen? Michael Müller: Ich selbst bin seit 1968 mit Fragen des Umweltschutzes beschäftigt, zunächst innerhalb der Studentenbewegung. Dort wurde das sehr distanziert, manchmal sogar abwertend gesehen, weil die prägenden Themen der Studentenbewegung eher Macht und Herrschaft, der Konflikt zwischen Ost und West sowie die Aufarbeitung des Nationalsozialismus waren. Auch die Freunde aus dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) konnten mein Interesse für das Thema Umwelt nicht nachvollziehen. Anfang der 70er Jahre habe ich dann Freunde von mir wie Jo Leinen oder auch Petra Kelly mit zu den Demonstrationen gegen Atomkraftwerke geholt. Aber damals, bis in die zweite Hälfte der 1970iger Jahre, war das ein Außenseiterthema. Im Kern steht ökologisches Denken in Kreisläufen und Begrenzungen in einem gewissen Gegensatz zu der …