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Protest gegen Unipers Biomasse-Politik auf Aktionärs-Hauptversammlung

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(Essen, 08. Juni 2017) denkhausbremen hat gemeinsam mit den Kritischen Aktionärinnen und Aktionären, Rettet den Regenwald und SOS Foret du Sud auf Unipers Aktionärs-Hauptversammlung protestiert. Der Protest richtete sich gegen die Holz-Biomasse-Politik des Konzerns. Hier geht es zur gemeinsamen Presseerklärung.

Nachfolgend dokumentieren wir die Rede von Peter Gerhardt (denkhausbremen), die er auf der Uniper Hauptversammlung in Essen am 08.06.2017 gehalten hat.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Peter Gerhardt, Geschäftsführer von denkhausbremen. Wir engagieren uns für globale Ressourcengerechtigkeit. Ich werde mich zum Thema Holz-Biomasse bei Uniper äußern. Ich spreche hier für unsere Organisation, aber auch für mehr als zwanzig internationale NGOs, die sich im November 2016 mit einem Protestbrief an den Uniper- Vorstand gewandt haben.

Aus unserer Sicht sieht sich die Menschheit zwei großen Ökokrisen ausgesetzt: Die Klimaerwärmung und der Verlust der Artenvielfalt. Und Uniper hilft mit seiner Geschäftspolitik tatkräftig dabei mit, diese Krisen zu verschlimmern. Konkret geht es um das Kraftwerk Provence 4 im südfranzösischen Gardanne. Dort haucht Uniper seinem alten Kohlemeiler neues Leben ein, indem dieser jetzt mit Holz befeuert werden soll. Mehr als 800.000 Tonnen Holz will Uniper dort pro Jahr verbrennen.

Wir haben im Vorfeld dieser Hauptversammlung einen Briefwechsel mit Uniper gehabt. Wir haben konkret gefragt, Uniper hat mir PR-Sprech geantwortet und danach war leider Funkstille. Uniper behauptet, dass die Entnahme von Holz für das Kraftwerk die Biodiversität in der Region erhöhen würde. Diese Behauptung ist vollkommen bizarr. Mir ist kein Ökosystem bekannt, dass durch die industrielle Entnahme von Biomasse verbessert wird. Und immerhin wollen Sie 400.000 Tonnen Holz aus der Region holen.

Die andere Hälfte wollen Sie importieren: Eine erste Ladung mit 40.000 Tonnen Eukalyptus- und Akazien-Holz aus Brasilien ist bereits eingetroffen. Eukalyptus aus Brasilien ist ein Alptraum für die Biodiversität. Das sind in der Regel riesige Plantagen, in denen es nichts gibt außer Industriebäume. Die Menschen vor Ort sagen deshalb auch “stumme Soldaten” oder “grüne Wüsten” zu diesen Plantagen.

Außerdem glauben wir nicht daran, dass das Verbrennen von Holz zwangsläufig gut für´s Klima ist. Das CO2, das beim Verbrennen von Holz in die Luft geblasen wird, wird bestenfalls Jahrzehnte später wieder von der Biosphäre eingebunden.

Ich habe folgende Fragen an den Uniper-Vorstand:
1. Sie geben an, dass Uniper innerhalb von 10 Jahren weitere 40 Prozent des Holzbedarfs aus regionalen “Holzabfällen und Resthölzern” beschaffen wird. Können Sie uns Dokumente zur Verfügung stellen, die Ihre Aussagen für uns überprüfbar machen? Wie definieren Sie den Begriff Resthölzer; klassifiziert Uniper auch ganze Baumstämme als solche?
2. Ihre Aussagen zur Verbesserung der Biodiversität in der Region durch Unipers Aktivitäten halten wir für fachlich unzutreffend. Haben Sie für Ihre Thesen nachvollziehbare Quellen, die Sie uns zur Verfügung stellen können?
3. Von welchen Lieferanten und aus welchen Lieferregionen wird Uniper die notwendigen Importhölzer beschaffen? Gibt es dazu für uns überprüfbare Dokumente?

Letztendlich ist die Holzverfeuerung in alten Kraftwerken eine Methadonprogramm für Kohle-Junkies. Beenden Sie das sofort und schalten Sie Provence 4 unverzüglich ab!

Folgende Rede hat Nicholas Bell (Collectif SOS Forêt du Sud, Südfrankreich) auf der Uniper Hauptversammlung am 08. Juni 2017 in Essen gehalten:

Ich komme gerade aus Südfrankreich. Ich bin im Kollektiv „SOS Forêt du Sud“ aktiv engagiert. Seit 2013 kämpfen wir gegen den Umbau eines Teiles des Uniper-Kohlekraftwerks in Gardanne, der in Zukunft mit Biomasse betrieben werden soll. Wir haben zwei Hauptbefürchtungen. Erstens fehlen die notwendigen Ressourcen. Laut einem vor kurzem veröffentlichten Bericht der offiziellen Umwelt- und Energie-Agentur ADEME wird ab 2020 das in Frankreich vorhandenen Holzvorkommen bei weitem nicht ausreichen. Dieses Biomassekraftwerk hat bereits starke Spannungen auf dem lokalen Holzmarkt ausgelöst.

Dabei wird die schon bestehende Tendenz verstärkt, die Wälder in Frankreich aber auch weltweit als Reserven für die Bedürfnisse der Industrie zu betrachten, an statt als komplexe Oekosysteme, die lebenswichtig sind für das Gleichgewicht und das Klima unseres Planeten.
Das Biomassekraftwerk in Gardanne wird einen schlechten Wirkungsgrad von ungefähr nur 35% haben. Das heißt, dass zwei Bäume von dreien, die im Kraftwerk verbrannt werden, den Himmel und die Vögel erwärmen werden, ein einziger wird Strom produzieren. Trotz dieser Verschwendung und dieser Ineffizienz hat der Staat eine Sonderregelung getroffen, die es Uniper erlaubt, innerhalb von 20 Jahren öffentliche Förderungen in Höhe von ca. 1,4 Milliarden Euro zu kassieren. Die zweite Befürchtung betrifft die Konsequenzen für die Umwelt und das Klima. Das Kraftwerk in Gardanne wird eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen, auf Grund des Ausstoßes von Feinpartikeln, Dioxinen und Holzstaub. Zahlreiche Studien beweisen, dass das Verbrennen von Holz die Luft mehr verschmutzt als Kohle.

Eines der am häufigsten verwendeten Argumente, um die Elektrizitätsproduktion aus Biomasse zu rechtfertigen, besagt, dass sie die Treibhausgasemissionen ganz klar verringern würde. Einige neuere Studien beweisen deutlich, dass dies nicht der Fall ist. Die CO²-Neutralität, die so sehr von der Industrie und zahlreichen Regierungen gelobt wird, ist ein Mythos. Im Juni 2015 hat das Weisse Haus eine «Politische Deklaration» veröffentlicht, die in dieselbe Richtung geht. Es stellt sich heraus, dass die CO²-Bilanz zweifelsohne sogar schlechter ist als jene von Kohlekraftwerken. Sollten die Ziele der EU, betreffend erneuerbarer Energien, für die Periode 2020-2030 mit dem gleichen Anteil von Biomasse wie jetzt, also ungefähr 60%, eingehalten werden, dann müsste jeder gefällte Baum in Europa, ohne Ausnahme, für die Energieproduktion verbrannt werden. Voraussichtlich wird Uniper mindestens die Hälfte des Holzes für Gardanne importieren. Das erste Schiff mit 40.000 Tonnen Holzschnitzeln ist schon aus Brasilien angekommen.

Drei juristische Widersprüche wurden gegen das Projekt in Gardanne eingelegt. Ich habe gerade heute morgen erfahren, dass das Verwaltungsgericht von Marseille die Bewilligung für diese Biomassezentrale zurückgezogen hat, da die Folgenabschätzung nicht ausreichend war. Die Bevölkerung und die lokalen Behörden in einem Umkreis von 400 km, wo das benötigte Holz geholt werden soll, wurden nicht nach ihre Meinung gefragt und die Konsequenzen für die Wälder, für die Umwelt und für die Landschaft wurden nicht im Betracht gezogen.
Ich muss Sie daran erinnern, dass wir in unserer Region der provenzalischen Alpen erst zwei Jahren nach der offiziellen Bewilligung des Biomasseprojekts in Gardanne überhaupt erfahren haben, dass unser Gebiet von E.On zur «prioritären Versorgungszone für Waldholz» erklärt worden war. Vorhersehbare Folgen: übermäßige Ausbeutung der leicht zugänglichen Waldstücke, Kahlschläge und die Zerstörung von natürlichem Lebensraum zugunsten eines absolut unökologisches Kraftwerks.

Die lokale Reaktion war schnell und eindeutig : über 400 Gemeinden und lokale Behörden unserer Region, wie zum Beispiel drei Naturparks, ein Dutzend Gemeindeverbände, zwei Départements, haben reagiert und kritische Resolutionen abgestimmt. In den letzten zehn Jahren wurden in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur mehr als 250 kleine und mittelgroße Holzheizungsanlagen installiert. Die Gemeindevertreter sind davon überzeugt, dass ihre Anstrengungen in diese Richtung durch das Riesenunternehmen E.On-Uniper ernstlich bedroht sind. Brigitte Reynaud, Präsidentin des Gemeindeverbandes der Region von Banon, hat das folgendermassen ausgedrückt: „Wie kann man einerseits umweltfreundliche Projekte fördern und andererseits einen solchen industriellen Wahnwitz zulassen, der nicht nur unser Waldgebiet und die Umgebung zerstört, sondern in Kürze auch unsere lokale Wirtschaft destabilisieren wird? Warum darf die Industrie Elektrizität aus Holz produzieren, wo wir doch Wind, Wasser und Sonne haben, die viel sinnvoller für erneuerbare Energie eingesetzt werden können? Es wird langsam Zeit, die direkt Betroffenen zu Rate zu ziehen und ihnen zuzuhören.“ Im März 2015 haben zwei lokale Gemeindeverbände und zwei Naturparks einen gemeinsamen Widerspruch gegen das Uniper-Projekt in Gardanne eingelegt.

Ich möchte den Uniper-Vorstand folgende Fragen stellen:
1. Wie reagiert er auf den Entscheid des Verwaltungsgerichts von Marseille, die Bewilligung für dieses Biomassekraftwerk zu annulieren?
2. Wie kann Uniper die industrielle Verbrennung von Holz verteidigen, wenn es heutzutage klar geworden ist, dass sie katastrophale Folgen für die Wälder überall in der Welt, für die Umwelt, für das Klima und für die öffentliche Gesundheit hat?

Weitere Information:

Rettet den Regenwald hat dazu einen Online-Protest initiiert.

Die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre haben einen Gegenantrag zur Uniper Hauptversammlung gestellt.