Referenz Bundesliga

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Dokumentation denkhausbremen-Kampagne “Abseits des Flutlichts: Wie Servicepersonal bei Werder und Schalke mit Niedriglöhnen abgespeist wird”

1. Ausgangslage
Es wird beschlossen, die zunehmende soziale Schieflage der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland zum Thema einer Kampagne zu machen. Aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz sollen prekäre Arbeitsverhältnisse mit Niedriglöhnen näher beleuchtet werden. Der Zeitpunkt für eine Platzierung des Themas in der Öffentlichkeit kurz vor den Bundestagswahlen 2013 wird als sehr geeignet eingeschätzt, da zahlreiche Parteien mit einem gesetzlichen Mindestlohn Wahlkampf betreiben.

2. Konzeption
Für professionelles Campaigning ist kennzeichnend, Metathemen in kampagnenfähige Einzelprojekte zu zerlegen und diese mit den richtigen Methoden umzusetzen. Um das gewählte Metathema als Kampagne zu operationalisieren, ergeben Strategieanalysen eine hohes Potential bei Niedriglöhnen im Cateringbereich von Fußballvereinen in der Bundesliga. Fußball löst Emotionen aus und die Bundesliga ist ein Wirtschaftszweig mit sehr großem Umsatz. Dass im Gegensatz dazu Arbeitskräfte im Catering mit Niedriglöhnen abgespeist werden, wie Recherchen ergeben, macht die Bundesligastadien zur eingedampften Wirklichkeit unserer Gesellschaft und somit zu einem idealen Kampagnenumfeld.

Die Kampagne erhält den Arbeitstitel “Jenseits des Flutlichts”. Die Kampagne wird weiter verfeinert und auf Werder Bremen und Schalke 04 eingegrenzt, weil dort die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit groß ist. Die beiden Vereine werben in ihren Leitbildern mit ihrer sozialen Verantwortung und werden von der Öffentlichkeit glaubwürdig wahrgenommen. Im Widerspruch dazu zahlen Werder Bremen (7,00 Euro) und Schalke 04 (7,70 Euro) im Catering ein Einstiegsgehalt im Niedriglohnbereich, das deutlich unter der Mindestlohnforderung von SPD, Grünen und DGB von 8,50 Euro zurückbleibt.

3. Kampagnenziel
Es soll öffentlicher Druck auf Werder Bremen und Schalke 04 aufgebaut werden, um die Situation der Catering-Arbeitskräfte im Niedriglohn-Sektor zu thematisieren und in der Perspektive einen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro durchzusetzen.

4. Methodik
Die Kampagne wird für die zwei Fußballklubs individuell angepasst. Für Werder Bremen wird eine Strategie mit offensiver Pressearbeit gewählt, da im Land Bremen ein Mindestlohngesetz gilt. Dies garantiert allen bei der Stadt oder dem Land Beschäftigten einen Stundenlohn von mindestens 8,50 Euro. Die Betreibergesellschaft, die den Vertrag mit dem Caterer ausgehandelt hat, gehört zur Hälfte der Stadt Bremen. Als mögliche Bündnispartner in Bremen werden folgende Akteure kontaktiert: Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) sowie Landtagsfraktionen von SPD, Grünen und Linken.

Bei Schalke 04 ist der Kampagnenschwerpunkt netzwerk-orientiert. Dabei werden in der Region verankerte und akzeptierte Akteure sowie Prominente eingebunden. Diese werden sich nicht in der Öffentlichkeit gegen den Verein stellen, sind jedoch durchaus bereit, in Hintergrundgesprächen aktiv zu werden. Ferner werden zielgerichtet Landestagsabgeordnete der SPD und Gewerkschaften aktiviert.

5. Verlauf

19.09.2013 Recherche “Abseits des Flutlichts” wird auf denkhausbremen.de online gestellt.

19.09.2013 Flankierende Pressearbeit: Netzwerke und Multiplikatoren werden mit Infos versorgt.

19. – 24.09.2013 Radio Bremen TV greift die Kampagne von denkhausbremen für das regionale Nachrichtenmagazin auf. Der Fernsehbeitrag vom 24.09.2013, der wesentliche Teile der denkhausbremen-Recherche übernimmt, wird unter Beteiligung eines O-Tones des denkhausbremen-Aktiven Peter Gerhardt gesendet.

19.09.2013 Schalke lässt Pressesprecherin einen Antwortbrief formulieren.

19.09.2013 SPD-Landtagsabgeordnete und NGG machen bei Schalke hinter den Kulissen Druck.

19. – 25.09.2013 Der Grüne Europaparlamentarier Sven Giegold sowie die Bundestagsabgeordneten der Linken, Kathrin Vogler und Ingrid Remmers, verbreiten die Kampagne im Web 2.0 .

20. – 27.09.2013 Grüne, Linke und Gewerkschaft NGG steigen in Bremen mit eigenen Presseerklärungen ein.

25.09.2013 Relevante Blogs, wie z.B. nachdenkseiten.de und ruhrbarone.de, berichten über die Kampagne.

27.09.2013 Stündliche Berichterstattung auf Radio Bremen Nachrichten.

27.09.2013 Bremer Senat und Werder versprechen in Pressemitteilung 8,50 Euro für kommende Saison.

22.10.2013 Der WDR recherchiert in einem Hintergrundgespräch mit denkhausbremen zum Thema Mindestlohn und Fußball.

08.11.2013 Schalke kündigt auf Anfrage von denkhausbremen 8,50 Mindestlohn zum 01. Januar 2014 an.

15.07.2014 Werder Bremen und Bremer Senat kündigen 8,50 Mindestlohn für die Saison 2014/2015 an.

6. Evaluation
Das Kampagnenziel wurde in vollem Umfang erreicht. In Bremen versprachen die relevanten Entscheidungsträger aufgrund des enormen Drucks, der durch die denkhausbremen-Kampagne entstand, öffentlich und verbindlich eine konkrete und zeitlich festgelegte Änderung der Situation: Zur Saison 2014/15 gilt ein Mindestlohn von 8,50 Euro.

In Gelsenkirchen führte die netzwerk-orientierte Strategie zum Erfolg. Gegenüber denkhausbremen erklärte der Verein, seinen Mitarbeiter/innen im Bereich Arena Management Catering ab Januar 2014 einen Mindestlohn von 8,50 Euro zu bezahlen.

7. Medienspiegel