degrowth

Was erwarte ich vom Dialog Degrowth?

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Von Jonas Daldrup

Die Wachstumsfrage ist da: angesichts von Klimakrise, Verlust der Artenvielfalt, schwindenden Ressourcen und wachsenden Ungerechtigkeiten gibt es eine Suche nach anderen Formen des Wirtschaftens. In Forschungsgruppen und Akademien denken kluge Köpfe über die wesentlichen Zusammenhänge nach, entwerfen Konzepte für eine andere Welt jenseits des Wirtschaftswachstums. Viele Menschen machen sich bereits in großen und kleinen Initiativen auf diesen Weg. Auch der Bundestag hat sich im Rahmen einer Enquete-Kommission mit dem Verhältnis von Wachstum und Wohlstand befasst. Bei Veranstaltungen wie der internationalen Degrowth-Konferenz 2014 in Leipzig tauschen sich tausende Aktive über ihre Ideen und Erfahrungen aus. Da geht was.

Es tummelt sich eine bunte Vielfalt von Perspektiven und Ansätzen:

  • Transition Town Gruppen
  • Initiativen für lebendige Nachbarschaften
  • Urbane Gärten
  • Regionale Währungen
  • Leihläden und Tauschringe
  • Engagement für nachhaltige Mobilität
  • Solidarische Formen der Landwirtschaft
  • Genossenschaftliche Führung von Unternehmen
  • usw.

Alle weisen in die gleiche Richtung: eine ökologisch tragfähige und sozial gerechte Welt – die mit unserem bisherigen Wirtschaftsmodell nicht vereinbar ist.

Eine fast nicht zu überschauende Zahl unterschiedlicher Akteure kommt da zusammen. Ist hier eine neue Szene entstanden? Eine neue zivilgesellschaftliche Bewegung sogar? Mein Eindruck bislang: Wir führen einen akademisch geprägten Diskurs und bewegen uns in einer gesellschaftlichen Nische. „Degrowth“ erscheint als das nächste große Ding, das bislang noch von einer engagierten Minderheit getragen wird.

Jetzt sollten wir aus den Debatten heraustreten, in denen wir teilweise noch angenehm vage bleiben konnten. Wenn die Transformation real werden soll, dann müssen wir dabei auch innere und praktische Widersprüche riskieren. Wie lässt sich der Degrowth-Gedanke also ganz real mit Leben füllen? Wie bekommen wir ihn raus aus der Nische – und rein in die Mitte der Gesellschaft?

Antworten auf diese Fragen wünsche ich mir, wenn wir mit erfahrenen Menschen aus den großen Umweltverbänden und weiteren Praktiker*innen ins Gespräch kommen. Schließlich sind sie Expert*innen wenn es darum geht, die Fragen und Notwendigkeiten für eine zukunftsfähige Welt in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Die Zeit scheint mir gekommen, mit dem Dialog Degrowth konkret zu werden.