Autor: jonas

Lisa Pörtner (Health4Future): Klimaschutz rettet Leben

Lisa Pörtner im Gespräch mit denkhausbremen über den Klimawandel und die Idee der Planetary Health. Die Ärztin engagiert sich für eine ambitioniertere Klimapolitik in Bremen. Seit vielen Jahren ist sie bei Greenpeace Bremen aktiv, zuletzt beschäftigte sie sich in der Initiative Health for Future verstärkt mit den gesundheitlichen Folgen der Klimakrise. (Foto: Ana Rodriguez) denkhausbremen: Frau Pörtner, welchen persönlichen Bezug haben Sie als Ärztin zum Thema Klimaschutz? Lisa Pörtner: Ich beschäftige mich schon seit Jahren allgemein mit der Klimakrise, etwa mit Blick auf den Schutz der Lebensgrundlagen. Erst in der letzten Zeit sind die Auswirkungen der Klimakrise auf die Gesundheit präsenter geworden. Es gibt mittlerweile sehr gute Daten dazu, welche Folgen die Klimaerwärmung auf die Gesundheit des Menschen hat. Die Weltgesundheitsorganisation hat die Klimakrise als die größte Bedrohung für die Gesundheit der Menschen im 21. Jahrhundert definiert. In allen Erdteilen und damit auch bei uns wird sie eine Vergrößerung der Krankheitslast und eine Erhöhung der Sterblichkeitsraten zur Folge haben. Können Sie uns einige Beispiele für gesundheitliche Folgen der Klimakrise nennen? Durch die steigenden Temperaturen treten …

Dirk Scharmer: Strohballenhäuser – am Lebensende Kompost

Dirk Scharmer im Gespräch mit denkhausbremen über den Bau von Strohballenhäusern, Bioökonomie und einen notwendigen Bewusstseinswandel innerhalb der Gesellschaft. Dirk Scharmer ist Architekt bei DELTAGRÜN in Lüneburg. Seit 2002 begleitet er Strohballenbauvorhaben in ganz Deutschland. denkhausbremen: Herr Scharmer, Strohballenhäuser gelten als besonders nachhaltig. Warum eigentlich? Dirk Scharmer: Stroh ist ein Nebenprodukt, das bei der Erzeugung von Getreide entsteht. Indem wir Stroh als Baustoff verwenden, wandeln wir es in ein Produkt um, das wir jahrzehntelang nutzen können. Dadurch ersetzen wir andere, wesentlich energieintensivere Produkte und sparen knapper werdende Ressourcen, wie beispielsweise Holz. Hinzu kommt, dass ein vernünftig gebautes Strohballenhaus über die gesamte Lebensdauer von etwa 200 Jahren enorm viel CO2 speichern kann. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Ökobilanz aus. Der Bau und der Betrieb eines Strohballenhauses sind insgesamt mit einem sehr geringen Energieaufwand verbunden. Das liegt zum Beispiel daran, dass Stroh ein guter Dämmstoff ist und im Gegensatz zu den meisten anderen Baustoffen nicht weiterverarbeitet werden muss, bevor es als Baumaterial eingesetzt werden kann. Anhand eines Beispiels kann ich das verdeutlichen: Ein typisches, strohgedämmtes …

Klimaschutz jetzt umsetzen!

+++ Pressemitteilung vom 11. Dezember 2020 +++ Bremer NGOs warnen vor Verzögerung bei Klimaschutzmaßnahmen Bremer Umwelt- und Entwicklungsorganisationen fordern von Landesregierung und Bürgerschaft, bereits jetzt erste Ergebnisse aus der Arbeit der Enquetekommission in Maßnahmen zum Klimaschutz umzusetzen. Durch Sprecher der Kommission war zuletzt mehrfach darauf hingewiesen worden, dass konkrete Ergebnisse und Handlungsempfehlungen erst Ende nächsten Jahres zu erwarten sind. „Es kann nicht sein, dass erst nach Vorlage eines Abschlussberichtes Ende 2021 über die konkrete Umsetzung gesprochen wird – das wird der Dringlichkeit der Klimakrise in keiner Weise gerecht. Wir halten dies für absolut inakzeptabel“, meint Jonas Daldrup von denkhausbremen. Aus Sicht der zivilgesellschaftlichen Organisationen müssen die Diskussionsergebnisse der Klima-Enquete frühzeitig Impulse für die politische Praxis setzen, um den Klimaschutz in Bremen voranzubringen. „Die tiefgehende Beschäftigung mit klimarelevanten Themen im Rahmen der Enquetekommission ist prinzipiell begrüßenswert“, findet Jonas Daldrup. „Wenn aber erst in der nächsten Legislatur zur Aktion geschritten wird, dann verlieren wir wertvolle Zeit. Wir brauchen jetzt schnelle starke Maßnahmen, sonst wird Bremen sein Klimaziel von 80 % CO2-Reduktion bis 2030 und danach weiter dramatisch …

Deutschlandfunk-Beitrag: Bioökonomie nicht per se nachhaltig

In einem Radiobeitrag zum Thema Bioökonomie stellt Jonas Daldrup von denkhausbremen klar, dass eine mit Biomasse betriebene Wirtschaft nicht automatisch ökologisch unbedenklich ist. Wenn die Abkehr von fossilen Rohstoffen nicht mit einer umfassenden sozial-ökologischen Transformation der Gesellschaft zusammengedacht wird, dann besteht die Gefahr eines verstärkten Zugriffs auf natürliche Ökosysteme. Den Beitrag finden Sie in der Audiothek des Deutschlandfunks.  

Workshop on the State of Bioeconomy Policies in the EU

On the 6th of October 2020, denkhausbremen / German NGO Working Group on Bioeconomy organised an online workshop that aimed to inform environmental NGOs from Germany and abroad as well as the interested public about recent developments within bioeconomy policies in the EU. The workshop was moderated by Jonas Daldrup from denkhausbremen and gave voice to various EU experts that explored how different strategies and decisions at EU level, such as the European Green Deal and decisions on the EU budget 2021-2027, affect the further development of the bioeconomy. Peter Gerhardt, director at denkhausbremen, welcomed the participants and started off the workshop by pointing to the necessity of addressing fundamental problems in our economy and a warning about simply switching from fossil to organic. The first speaker, Luke Edwards – Climate Change and Land Use Policy Officer at BirdLife Europe – looked into the consequences of EU funds and financial decisions for bioeconomy policies. He explained that next to the European Structural and Investment Funds and the Common Agricultural Policy, especially „Horizon Europe“ will become …

Klimaschutz in Krisenzeiten – Quo vadis Bremen?

  Online-Veranstaltung am Dienstag, 8.12.2020 von 18 bis 19.30 Uhr Um das 1,5°C-Klimaziel zu erreichen, muss ein ambitionierter und sozial gerechter ökologischer Wandel erfolgen. Dazu gehören zum Beispiel eine beherzte Verkehrs­wende mit einer massiven Stärkung des Fahrrad-, Fuß- und Nahverkehrs sowie ein neuer Schub für die Energiewende, etwa beim Solarstrom und der Wärme­dämmung von Gebäuden. Die Enquetekommission zum Klimaschutz soll Vorschläge für die Bremer Landes­regierung erarbeiten, mit welchen Maßnahmen Bremen seine Klima­ziele erreichen kann. In der Kommission sitzen Bremer Politiker*innen, Wissen­schaftler*innen sowie weitere gesell­schaftliche Akteure Bremens. Nach einer Initiative des Projektes „Bremen erneuerbar“ erarbeitet ein breites Bündnis von Bremer Umwelt- und Entwicklungsorganisationen ein Papier mit Forderungen an die Enquete­kommission. Darin unterstreichen die NGOs die Notwendigkeit, zu einer raschen Umset­zung ambitionierter Maßnahmen zu kommen, um einen sozial gerechten und ökolo­gischen Umbau Bremens zu erreichen. An diesem Abend wird uns der klimapolitische Sprecher der CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft und Vorsitzende der Klima-Enquetekommission, Martin Michalik, Rede und Antwort stehen. Im Gespräch berichtet er, wie der aktuelle Stand der Arbeit in der Enquete­kommission ist und wie es gerade …

Bioökonomie: Erwartungen eindampfen

Der vollständige Ersatz fossiler durch nachwachsende Rohstoffe ist quantitativ nicht möglich. Soll die Bioökonomie nachhaltig ausgerichtet werden, erfordert das die Transformation des derzeit auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystems. Die erste Tagung des vom Bundesamt für Naturschutz geförderten und von denkhausbremen in Zusammenarbeit mit dem BUND durchgeführten Projekts “Bioökonomie im Lichte der Nachhaltigkeit” fand am 7. und 10. September 2020 statt. Neben VertreterInnen der relevanten Umwelt- und Entwickungsverbände nahmen auch ExpertInnen aus Wissenschaft, Fachbehörden und Politik teil. Sie diskutierten den Status Quo von Land- und Forstwirtschaft im Hinblick auf den Erhalt von Biodiversität und mögliche Rohstoffpotenziale für eine zukünftige Bioökonomie. Ute Feit vom Bundesamt für Naturschutz machte deutlich, dass Artenvielfalt in den Diskussionen um die Bioökonomie bislang nur unzureichend adressiert wird. Zugleich wurden auch Zielkonflikte thematisiert und erörtert, die sich aus unterschiedlichen Nutzungsansprüchen an die zur Verfügung stehenden Flächen – wie Biomasseproduktion, Klima- und Biodiversitätsschutz – ergeben. Im ersten Vortrag stellen Joachim Spangenberg (BUND) und Wolfgang Kuhlmann (denkhausbremen) die Ergebnisse ihrer Studie dar, dass wenn wir die biologische Vielfalt in Deutschland verbessern wollen, dies auch im Rahmen …

Susanne Fleischmann (BEK): Klimaschutz zur Bewahrung der Schöpfung

Susanne Fleischmann ist Geo-Ökologin und bei der Bremisch Evangelischen Kirche für das Thema Klimaschutz verantwortlich. (Foto: Ana Rodríguez) denkhausbremen: Was sind Ihre Aufgaben, als Klimaschutzmanagerin der Evangelischen Kirche in Bremen? Susanne Fleischmann: Ich versuche den Überblick über all die Aktivitäten zum Klimaschutz zu behalten, die es in der Bremischen Evangelischen Kirche gibt – in den einzelnen Gemeinden passiert unwahrscheinlich viel in dem Bereich. Ich bin mit einer Stabsstelle im Haus der Kirche angesiedelt, während die Gemeinden rechtlich und wirtschaftlich komplett unabhängig sind. Wir können ihnen unsere Unterstützung anbieten, haben aber keinerlei Weisungsbefugnis. Das ist auch nicht nötig, weil viele Gemeinden sowieso aus eigenem Antrieb und mit Herzen klimaschützend unterwegs sind. Das liegt daran, dass der Begriff der „Bewahrung der Schöpfung“ zum Christentum gehört. Das heißt, wir haben eine Verantwortung für die Schöpfung. Darauf zu gucken, dass es den Mitgeschöpfen gut geht, ist sehr wichtig. Deswegen sind viele Gemeinden da aktiv, wie man so schön sagt: intrinsisch. Was genau tun die Gemeinden? Im Moment kommen viele Anfragen aus den Gemeinden, ob eine Photovoltaikanlage für sie sinnvoll …

Wolfgang Geißler (Einfach Einsteigen): Nahverkehr für alle!

Wolfgang Geißler ist Politikwissenschaftler und Sprecher der Initiative Einfach Einsteigen. Dort kümmert er sich um die Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit NGOs und Fachleuten aus Politik und Wissenschaft. (Foto: Ana Rodríguez) denkhausbremen: Herr Geißler, mit Ihrer Initiative „Einfach Einsteigen“ plädieren Sie für einen ticketlosen Nahverkehr in Bremen. Warum? Wolfgang Geißler: Es gibt viele gute Gründe für einen ÖPNV ohne Fahrscheine in Bremen. Wenn Menschen vom Auto auf den Nahverkehr umsteigen verringern sich die CO2-Emissionen. Mit weniger Autos würde zudem viel öffentlicher Raum wieder frei, der im Moment für Parkplätze genutzt wird. Und wir sind uns sicher, dass auch die Wirtschaft in Bremen von einem stärker ausgebauten und ticketlosen Nahverkehr profitieren würde. Aktuell stehen Arbeitnehmer*innen morgens lange im Stau und kommen gefrustet zur Arbeit. Das ist schlecht für die Produktivität, Handwerksbetriebe und Logistik brauchen ewig, um von A nach B zu kommen. Der Einzelhandel befürchtet Umsatzverluste, wenn die Menschen nicht mehr mit dem Auto bis nah an die Ladentür fahren können. Im Gegenteil, auch für den Einzelhandel wäre der ticketlose Nahverkehr ein Teil der Rettung. Gerade …

Frederike Oberheim (Fridays for Future): Wir müssen die Industrie transformieren!

Frederike Oberheim ist Studentin der Psychologie und Mitorganisatorin und Aktivistin der Fridays for Future Proteste in Bremen. Im Frühjahr 2020 hat der Landesfrauenausschuss sie zur Bremer Frau des Jahres gewählt. (Foto: Ana Rodríguez)   denkhausbremen: Seitdem das Coronavirus die Welt in Atem hält, sind andere Themen in der öffentlichen Wahrnehmung weiter nach hinten gerückt. Schwierige Zeiten für die Klimabewegung, oder? Frederike Oberheim: Natürlich ist es für uns, wie für alle anderen wahrscheinlich auch, gerade nicht leicht. Wir mussten uns erstmal neu orientieren. Plötzlich nicht mehr demonstrieren zu können, war schon ein komisches Gefühl. Gleichzeitig gingen die Gespräche mit Politiker*innen aber weiter. Plötzlich sitzen wir mit am Tisch, weil wir als Gäste in die Enquete-Kommission Klimaschutz eingeladen wurden. Da bleibt es also spannend. Und so langsam werden Demonstrationen und andere Aktionen auch wieder möglich. Wir kommen also auf jeden Fall zurück! Können Sie der jetzigen Lage auch etwas Positives abgewinnen? Ich denke, dass wir aus dieser Situation einiges lernen können: Die Pandemie hat gezeigt, dass die Politik bereit ist, auf die Wissenschaft zu hören. Sie ist …