Alle Artikel in: bioökonomie

Stellungnahme zum Entwurf einer Nationalen Bioökonomiestrategie

Die Bundesregierung hat einen Entwurf für eine Nationale Bioökonomiestrategie zur Kommentierung bereitgestellt. Nachfolgend im Wortlaut die Stellungnahme der unterzeichnenden Umwelt und Entwicklungsverbände oder downloaden Sie das Dokument im Orginal als pdf. Die unterzeichnenden Organisationen bedanken sich für die Gelegenheit zur Stellungnahme in Bezug auf den Entwurf für eine Nationale Bioökonomiestrategie. Der dazu von den federführenden Ministerien (BMBF, BMEL) eingeräumte zweiwöchige Zeitraum innerhalb der Sommerferienzeit ist allerdings in keiner Weise akzeptabel und daher ungeeignet, um solch ein grundsätzliches und umfangreiches Dokument mit der gebotenen Sorgfalt und Detailtiefe zu kommentieren. Deshalb behalten wir uns vor, im weiteren Beratung- sprozess neue Aspekte und vertiefende Argumentationen einzubringen. Dieser Prozess wird ansonsten der Forderung nach einer ausreichenden und frühzeitigen Partizipation der Zivilgesellschaft nicht gerecht und steht im Widerspruch zu den im Entwurf in Aussicht gestellten “transparenten Dialog- und Partizipationsprozessen” Wir begrüßen zwar ausdrücklich, dass die Bundesregierung in ihrem Entwurf punktuell zentrale Gedanken der Nachhaltigkeitsdebatte aufgegriffen hat. Das Papier mahnt Biodiversitäts- und Klimaschutz, Bodenfruchtbarkeit und Verteilungsgerechtigkeit an und erwähnt darüber hinaus die Bedeutung von Suffizienz und eine mögliche “Umstellung des Wirtschaftssystems”. …

Bioökonomie-Frühstück im Deutschen Bundestag

Mitte Mai veranstaltete das Aktionsforum Bioökonomie ein parlamentarisches Frühstück mit Bundestagsabgeordneten, deren MitarbeiterInnen sowie VertreterInnen von Umwelt- und Entwicklungsverbänden im Deutschen Bundestag. Ziel war ein offener Austausch über die möglichen Chancen und Risiken der Bioökonomie. Die VerbändevertreterInnen stellten dabei eine Reihe von Problemen heraus, die sie in der aktuellen Bioökonomie-Politik ausmachten – das fehlende Adressieren des hohen Ressourcenverbrauches und die Förderung der Neuen Gentechnik ebenso wie die mangelhaften Beteiligungsmöglichkeiten von Zivilgesellschaft und BürgerInnen an der Diskussion. Auch auf den einseitigen Fokus der Bioökonomie-Politik auf technologische Lösungen statt auf gesellschaftliche Fragen wiesen sie hin. Auf der anderen Seite wurden die Potenziale der Bioökonomie, etwa für den Erhalt einer vielfältigen Landwirtschaft und die Entwicklung biobasierter Verpackungen, hervorgehoben und bemerkt, dass die Diskussion um Bioökonomie inzwischen auch in den Bundestagsfraktionen angekommen sei. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, bei diesem Thema stärker fraktionsübergreifend zusammenzuarbeiten. Im Anschluss entspann sich eine teils kontroverse Diskussion über konkrete Aspekte der Bioökonomie. Auf der einen Seite wurde die Notwendigkeit der Markteinführung neuer biobasierter Produkte hervorgehoben, andererseits auf die Grenzen der Effizienzsteigerung und der Substitution …

Svenja Schulze: “Ich kann die Kohlekraftwerke nicht einfach abschalten”

denkhausbremen-Diskussion mit Bundesumweltministerin Bei der Podiumsdiskussion von denkhausbremen mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze kam die ganze Bandbreite der aktuellen Umwelt- und Klimadiskussion auf dem Tisch. Auf der Veranstaltung, die von Bürgermeister Carsten Sieling mit einem Grußwort eröffnet wurde, machte die Ministerin deutlich, dass Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit nur zusammen funktionieren. Frau Schulze betonte, das die SPD entgegen landläufiger Meinung das Thema Umweltschutz mit dem damaligen Kanzler Willy Brandt auf die politische Agenda gesetzt habe. Peter Gerhardt von denkhausbremen erklärte, dass die Transformation in eine klimafreundliche Bioökonomie nur gelingen kann, wenn die nötigen Veränderungen sozial gerecht geschultert werden. Wissenschaftlerin Sybille Bauriedl von der Universität Flensburg bemängelte an der aktuellen Klimadebatte, dass Positivbeispiele wie Klimacamps von Jugendlichen unterbelichtet blieben, und dass die Klagen über reiche SUV-Fahrer uns nicht weiter bringen. Dem widersprach der Philosoph und Schriftsteller Leander Scholz. Er betonte, dass die Armen definitiv eine bessere Klimabilanz hätten, als der finanziell bessergestellte Teil der Bevölkerung. Scholz forderte statt dessen einen „ökologischen Kommunitarismus“ ein. Dass die Klimadebatte facettenreich ist und hier verschiedene Wahrheiten parallel existieren, machten die Fragen der über …

Kirsten Tackmann, Linke: Bioökonomie ist Gesellschaftspolitik

Kirsten Tackmann im Gespräch mit denkhausbremen. Kirsten Tackmann sitzt seit 2005 für DIE LINKE im Deutschen Bundestag und ist als agrarpolitische Sprecherin ihrer Fraktion zuständig für Bioökonomie. denkhausbremen: Frau Tackmann, was verbinden Sie mit dem Begriff Bioökonomie? Kirsten Tackmann: In der aktuellen Diskussion bedeutet er schlicht den Ersatz fossiler Rohstoffe durch nachwachsende Rohstoffe, um das fossile Zeitalter hinter sich zu lassen. Durch die Ansiedlung des Themas beim Bundesforschungsministerium wird die Diskussion gleich sehr theoretisch und technologische Fragen stehen im Vordergrund. Das ist schade. Denn aus meiner Sicht geht es hier um viel mehr. Worum geht es Ihnen? Wir sollten dringend eine gesellschaftspolitische Debatte führen, an deren erster Stelle die Frage steht: Was brauchen wir eigentlich? Die Wachstumsdiskussion ist hier von zentraler Bedeutung. Mein Eindruck ist, dass wir gerade über den Ersatz fossiler Materialien diskutieren, die man eigentlich streichen sollte statt sie durch Biomasse zu ersetzen. Andernfalls würden wir die Natursysteme völlig überfordern. Wir sollten also nicht nur fragen, von welchen Rohstoffen sich das Wirtschaftssystem ernährt, sondern auch das System an sich in Frage stellen. Die …

Bioökonomie in Finnland: Nachhaltig oder fragwürdig?

Bioökonomie in Finnland: Nachhaltige Wirtschaftswende oder fragwürdige Entwicklung in grünem Deckmäntelchen? Von Moritz Albrecht Die Erwartungen an die Bioökonomie in Finnland müssen aus einem ganz anderem Blickwinkel als zum Beispiel die Erwartungen an die selbige in Deutschland betrachtet werden. Nach wirtschaftlich nicht besonders erfolgreichen Jahren, wird die Bioökonomie in Finnland vielerseits als Heilsbringerin und teilweise als das neue Nokia angepriesen, welche dem Land neuen wirtschaftlichen Aufschwung und grünes Wachstum bringen soll. Zudem ist die Bioökonomie in Finnland hauptsächlich forst-/holzbasiert und soll einer in den letzten Jahren doch eher gebeutelten und mit strukturellen Änderungen kämpfenden Forstwirtschaft wieder zu alter Stärke helfen und sie wieder ins Zentrum der finnischen Wirtschaftskraft bringen. Dazu muss gesagt werden, dass die Forstwirtschaft und ihre Großindustrie (Zellstoff, Papier, Sägewerke) in Finnland, in punkto nationaler Bedeutung und politischer Unterstützung, oder eher in Bezug auf politisches Hofieren relativ gut mit der deutschen Politik und deren freundschaftlichem Umgang mit der deutschen Autoindustrie zu vergleichen sind. Jedenfalls hat sich der Ausdruck Bioökonomie (Biotalous) in den letzten Jahren in Finnland schnell zu einem zentralen Stichwort entwickelt, welches …

German NGOs say “NO” to social and environmental damage caused by bioeconomy

  „In our view, the current discussions on bioeconomy by the Federal Government of Germany have the potential to further undermine human and social rights and accelerate environmental degradation. An economy that increases its use of renewable raw materials can only be sustainable if this is accompanied by a socio-ecological transformation. The signatory associations and organizations are therefore calling on the Federal Government of Germany to readjust its national and European bioeconomy strategies.“ Read the full Bioeconomy Declaration here.  

Bioökonomie – zwischen kleinen Chancen und großen Gefahren

Ein Bericht von Josephine Koch Ende November 2018 trafen sich VertreterInnen des zivilgesellschaftlichen Aktionsforums Bioökonomie mit der Fachöffentlichkeit in Berlin, um sich über Fragen der Bioökonomie kritisch-konstruktiv auszutauschen. Höhepunkt des NGO-internen Teils in der ersten Hälfte des Workshops war der Beschluss einer gemeinsamen Bioökonomie-Grundsatzerklärung. Namhafte Umwelt- und Entwicklungsorganisationen kritisieren an diesem Wirtschaftskonzept die Verbindung aus einem neoliberalen Weiter-So und grünem Wachstumszwang vor allem zugunsten von Unternehmen, statt mit einer Kehrtwende echte ökologisch-soziale Lösungen voranzutreiben. Die zweite Tageshälfte stand sodann auch dem interessierten Fachpublikum aus Wissenschaft, staatlichen Institutionen und Ministerien sowie JournalistInnen offen. Elementare Fragen um die Chancen und Gefahren einer Bioökonomie wurden hier tiefergehend diskutiert. So machte Lars Berger vom Bundesamt für Naturschutz in seinem Inputvortrag die Widersprüche greifbar, die mit der Bioökonomie einhergehen. Die zunehmende Produktion von Bioplastik beispielsweise bringe kaum Fortschritt, wenn die bestehende Wegwerfmentalität gleichzeitig unverändert bliebe. Hochpräzise betriebene Landwirtschaft durch Digitalisierung und neue Technologien könne zwar die Effizienz der landwirtschaftlichen Produktion steigern, ändere aber nichts an den Problemen, die mit einer industriellen Landwirtschaft zusammenhängen. Auch die technologiegläubige Diskussion in Verbindung mit …

Bioökonomie: Industrialisierungs-Turbo für die Landwirtschaft

Umwelt- und Entwicklungsverbände veröffentlichen Erklärung zur Bioökonomie Die Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung birgt das Potential, Menschen- und Sozialrechte weiter auszuhöhlen und die Umweltzerstörung zu beschleunigen. Darauf weisen führende Umwelt- und Entwicklungsverbände zum Beginn der Grünen Woche in Berlin in einer gemeinsamen Erklärung hin. Bioökonomie wird nur dann zukunftsfähig sein, wenn sie mit einer sozial-ökologischen Transformation einhergeht. Dazu müsse der Rohstoffverbrauch dramatisch gesenkt werden, so die Verbände. Mithilfe der sogenannten Bioökonomie soll unsere erdöllastige, klimaschädliche Wirtschaft künftig vor allem auf nachwachsenden Rohstoffen basieren und somit “grüner” werden. Politik und Wirtschaft wollen jedoch wenig an den eigentlichen Strukturen unserer problematischen Produktionsweise ändern. Die Grüne Woche ist die international größte Agrarmesse. Hierbei spielt der Bioökonomie-Ansatz hintergründig eine große Rolle, denn die nachwachsenden Rohstoffe sollen vor allem durch die Land- und Forstwirtschaft produziert werden. Schon heute trägt die industrialisierte Landwirtschaft zum Verlust von Artenvielfalt und Klimawandel bei. Wenn in Zukunft Land- und Forstwirtschaft zusätzliche Biomasse für neue Geschäftsfelder der Industrie produzieren, geraten Ökosysteme weiter unter Druck. Darüber hinaus verschärfen sich auch soziale Konflikte im globalen Süden. Die Erklärung ist insbesondere …

Hans-Jürgen Thies, CDU: Rohstoffimporte für Bioökonomie vermeiden

Hans-Jürgen Thies im Gespräch mit denkhausbremen. Hans-Jürgen Thies ist für die CDU im Deutschen Bundestag und ist ordentliches Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft.  denkhausbremen: Was verbinden Sie mit Bioökonomie? Hans-Jürgen Thies: Global denken, lokal handeln. Es ist zwar schon ein bisschen abgedroschen, hat aber an Gültigkeit nichts verloren. Wir müssen als hochentwickeltes Land eine Vorreiterrolle bei der Bioökonomie spielen. Wir haben durchaus viele Ressourcen im wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich, um neue Wege anzugehen. Daher kommt uns eine besondere Verantwortung zu. Als hochentwickelte Industrienation verbrauchen wir natürlich auch mehr Ressourcen als Länder, die sich noch in der Entwicklung befinden. Darüber hinaus müssen wir konkrete Ziele definieren, damit wir wissen, welche Wege wir einschlagen müssen. Nennen Sie doch mal ein konkretes Ziel als Beispiel… Es ist zwar banal, aber wir müssen erreichen, dass das Leben auf unserer Erde auch noch in 100 oder 200 Jahren für die Menschen lebenswert ist. Weitere Zeitsprünge auf 500 oder 1.000 Jahre wage ich nicht zu beschreiten. Ich komme selbst aus der Landwirtschaft, habe hier Jahrzehnte Erfahrung und weiss, dass es in Land- und …

Harald Ebner, Grüne: Lobbymacht der Wirtschaft bei Bioökonomie ausgleichen

Harald Ebner im Gespräch mit denkhausbremen. Ebner ist seit 2011 für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Deutschen Bundestages und Sprecher seiner Fraktion für Bioökonomie-, Gentechnik- und Waldpolitik. denkhausbremen: Wie schätzen Sie die aktuelle Diskussion zum Thema Bioökonomie ein? Harald Ebner: Es gibt gar nicht so viele Leute, die sich damit auskennen. Das fängt schon mit der Frage an: Was ist überhaupt Bioökonomie? Ich sage dann immer: Alles was mit biobasierter Wirtschaft zu tun hat. Das ist ein sehr weiter Oberbegriff, der schnell zu Missverständnissen führen kann. Eröffnet die Bioökonomie-Debatte eher Chancen oder überwiegen die Risiken? Jede Interessengruppe nutzt einen unklaren Begriff wie Bioökonomie für ihr Anliegen, Forschungsmodell oder wirtschaftliches Geschäftsmodell. Egal, über welchen Teil von Bioökonomie ich mich unterhalte, im Zentrum steht doch, dass wir unsere Wirtschaft auf die postfossile Zeit vorbereiten müssen. Wir müssen Bioökonomie unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betreiben, nur dann ergibt sie Sinn. Was verstehen Sie konkret unter Nachhaltigkeit? Bioökonomie heißt, dass ich in einer biobasierten Wirtschaft alle Rohstoffe und Energie mit biologischen Prozessen zur Verfügung stelle. Das hängt mit Anbau- und …