Alle Artikel in: bioökonomie

Dirk Scharmer: Strohballenhäuser – am Lebensende Kompost

Dirk Scharmer im Gespräch mit denkhausbremen über den Bau von Strohballenhäusern, Bioökonomie und einen notwendigen Bewusstseinswandel innerhalb der Gesellschaft. Dirk Scharmer ist Architekt bei DELTAGRÜN in Lüneburg. Seit 2002 begleitet er Strohballenbauvorhaben in ganz Deutschland. denkhausbremen: Herr Scharmer, Strohballenhäuser gelten als besonders nachhaltig. Warum eigentlich? Dirk Scharmer: Stroh ist ein Nebenprodukt, das bei der Erzeugung von Getreide entsteht. Indem wir Stroh als Baustoff verwenden, wandeln wir es in ein Produkt um, das wir jahrzehntelang nutzen können. Dadurch ersetzen wir andere, wesentlich energieintensivere Produkte und sparen knapper werdende Ressourcen, wie beispielsweise Holz. Hinzu kommt, dass ein vernünftig gebautes Strohballenhaus über die gesamte Lebensdauer von etwa 200 Jahren enorm viel CO2 speichern kann. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Ökobilanz aus. Der Bau und der Betrieb eines Strohballenhauses sind insgesamt mit einem sehr geringen Energieaufwand verbunden. Das liegt zum Beispiel daran, dass Stroh ein guter Dämmstoff ist und im Gegensatz zu den meisten anderen Baustoffen nicht weiterverarbeitet werden muss, bevor es als Baumaterial eingesetzt werden kann. Anhand eines Beispiels kann ich das verdeutlichen: Ein typisches, strohgedämmtes …

Biodiversität in Gefahr

Studie von denkhausbremen und BUND untersucht mögliche Auswirkungen der Bioökonomie Bioökonomie könnte zum Brandbeschleuniger des ohnehin schon dramatischen Artensterbens werden, wenn nicht sofort konsequent gegengesteuert wird. Das ist die beunruhigende Quintessenz der heute veröffentlichten Studie “Bioökonomie im Lichte der planetaren Grenzen und des Schutzes der biologischen Vielfalt”, in der denkhausbremen und der BUND die Auswirkungen der Bioökonomie auf den Biodiversitätsschutz in den Fokus rücken. Die beiden Autoren – Dr. Joachim Spangenberg (BUND) und Wolfgang Kuhlmann (denkhausbremen) – fassen die wesentlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum schlechten Erhaltungszustand vieler Arten und Ökosysteme in Deutschland zusammen. Insbesondere die industrielle Landwirtschaft ist demnach ein wesentlicher Treiber des Artensterbens. Aber auch die naturferne Bewirtschaftung vieler Waldökosysteme erfolgt auf Kosten der Biodiversität. Die Studie gibt zudem einen detaillierten Einblick in den aktuellen Stand der Biomassenutzung in Deutschland und leitet daraus mögliche Chancen und Risiken für eine zukünftige Bioökonomie ab. Das ernüchternde Fazit: Ein Ersatz fossiler Rohstoffe durch Biomasse ist keine Option – zumindest wenn der Rohstoffverbrauch nicht drastisch heruntergefahren wird. Zu begrenzt sind die verfügbaren Flächen, zu immens wären die Umweltschäden im …

Kein Raubbau im Wald für eine falsche Energiewende

Gemeinsame Stellungnahme deutscher Umwelt-und Entwicklungverbände zu Holz-Biomasse   Hier Stellungnahme als pdf downloaden Wälder sind für den Schutz der Artenvielfalt und unseres Klimas unersetzlich, sie bilden die Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen. Dennoch sind die globalen Waldökosysteme bedroht. Die Ursachen dafür sind vielfältig – vom illegalen Holzeinschlag über die Expansion von Agrarflächen bis hin zum hohen Rohstoffbedarf der Papier- und Zellstoffindustrie. In der Folge werden Wälder kahlgeschlagen, übernutzt oder in artenarme Nutzholzplantagen umgewandelt. Jetzt geraten die Wälder zusätzlich im Namen des Klimaschutzes unter Druck. Ein Grund dafür ist die falsche Entscheidung der EU, das Verbrennen von Holz als klimaneutral zu werten. Damit wird den EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit eröffnet, Holzbiomasse für die Strom- und Wärmeproduktion als Klimaschutzmaßnahme zu subventionieren. Es ist nun zu befürchten, dass auch in Deutschland die energetische Nutzung von Holzbiomasse in großem Maßstab weiter gefördert wird. Die Bundesregierung will noch im Jahr 2020 maßgebliche Gesetze und Verordnungen dafür auf den Weg bringen: Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird im Bundestag beraten. Im Gesetzesentwurf ist eine höhere Förderung von aus Biomasse erzeugtem Strom vorgesehen …

Wollen wir artenreiche Kulturlandschaften oder Einöde? 

Teja Tscharntke im Gespräch mit denkhausbremen über Bioökonomie, Landwirtschaft und Artenvielfalt. Der Soziologe und Biologe ist seit 1993 Professor für Agrarökologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Er ist im deutschsprachigen Raum der am meisten zitierte Ökologe. denkhausbremen: Ist die Bedeutung der Biodiversität ausreichend im Fokus der Öffentlichkeit oder wird dieses Thema zu Unrecht von der Klimadebatte überlagert? Teja Tscharntke: Sicher ist die Klimadebatte besonders durch Fridays for Future sehr präsent in der Öffentlichkeit, was aber nicht heißt, dass dem Artensterben keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der dramatische Rückgang der Insektenpopulationen hat  schließlich Volksbegehren nach sich gezogen, deren Forderungen zumindest teilweise von der Politik aufgegriffen worden sind. Auch im Rückblick wird die aktuell zunehmende Relevanz deutlich. Als ich 1993 in Göttingen meine Professur angetreten habe, war das Thema Biodiversität weder in der Wissenschaft noch in der Gesellschaft präsent. Wenn in der Landwirtschaft über Umweltbelastung geredet wurde, spielten Überdüngung, Gewässerverunreinigung oder die negativen Auswirkungen von Pestiziden eine Rolle. Artensterben hingegen war damals noch ein sehr marginales Thema. Bei der Klima-Debatte haben viele mittlerweile eine Vorstellung von den groben Zusammenhängen. …

Tagungsreihe zu Bioökonomie und Biodiversität – Teil 2: Best Practice?

Tagungsreihe: “Bioökonomie im Lichte der Nachhaltigkeit“ wird am 10. und 12. November 2020 fortgeführt Hier geht es zum Tagungsprogramm für den 10. und 12. November 2020 und zur Anmeldung Das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte und von denkhausbremen in Zusammenarbeit mit dem BUND durchgeführte Projekt “Bioökonomie im Lichte der Nachhaltigkeit” untersucht, wie eine zukünftige Bioökonomie ausgestaltet sein sollte, damit die ökologischen Belastungsgrenzen nicht überschritten werden. Damit die Bioökonomie nicht zu Lasten der biologischen Vielfalt vorangetrieben wird, braucht es Leitplanken. Die relevanten Umwelt- und Entwickungsverbände diskutieren und vereinbaren im Rahmen des Projektes, wie eine solche politisch vereinbarte Rahmensetzung aussehen sollte. Dazu veranstaltet das Projekt eine dreiteilige Tagungsreihe, an der neben den Verbänden auch ExpertInnen aus Wissenschaft, Fachbehörden und Politik teilnehmen. Zum Abschluss werden die gewonnenen Erkenntnisse im Rahmen der BfN-Skriptenreihe veröffentlicht. Die erste Tagung im September 2020 beleuchtete den Status Quo von Land- und Forstwirtschaft im Hinblick auf den Erhalt der Biodiversität und leitete mögliche Rohstoffpotenziale für eine zukünftige Bioökonomie ab. Zugleich wurden auch Zielkonflikte diskutiert, die sich aus unterschiedlichen Nutzungsansprüchen an die zur Verfügung stehenden …

Keine neue Weltformel

Die Folgen der Bioökonomie für die Biosphäre Von Peter Gerhardt Die Menschheit wird in Zukunft stärker auf nachwachsende Rohstoffe angewiesen sein. Nur wenn alle Aspekte unseres Wirtschaftens auf den ökologischen und sozialen Prüfstand kommen, kann die biobasierte Ökonomie einen Beitrag zur Lösung der globalen Herausforderungen leisten. Die aktuelle Debatte um die Bioökonomie trifft auf eine Öffentlichkeit, für die die natürlichen Grenzen unseres Planeten zunehmend ins politische Bewusstsein rücken. Denn nicht nur das Ende der fossilen Rohstoffe ist absehbar, auch mineralische Ressourcen sind nur begrenzt verfügbar. Themen wie Klimawandel und Artenverlust sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen und mobilisieren Massenproteste sowie in Bayern 1,8 Millionen Wähler*innen beim Volksbegehren „Rettet die Bienen”. Gleichzeitig werden große Teile der Bevölkerung von enthemm- ten Märkten vor sich hergetrieben, die bis dahin ungekannte gesellschaftliche Fliehkräfte freisetzen. Wir befinden uns in einem globalen Verteilungskampf, der die internationale Ordnung zunehmend destabilisiert. Der Politik gelingt es kaum noch, die heutige Art der Profitökonomie wirksam einzuhegen. Um so attraktiver klingt das Versprechen der Bioökonomie, auf viele dieser globalen Probleme eine angemessene Antwort geben zu …

Europäischer Grüner Deal – keine Mondlandung

Europäischer Grüner Deal und EU-Bioökonomie-Strategie drücken sich vor notwendigen Systemveränderungen Von Jana Otten und Peter Gerhardt  In Zeiten der sich verschärfenden globalen Krisen sind neue Antworten gefragt. Die Weltgemeinschaft ist zunehmend gespalten in Arm und Reich, die Umweltzerstörung – und mit ihr der Verlust der Artenvielfalt – schreitet voran und die Erde heizt sich weiter auf. Der sogenannte “europäische Grüne Deal” liefert eine Antwort auf die Klimakrise – zumindest soweit man denn den vollmundigen Versprechen der EU-Kommission glauben schenken mag. Aber ist dieser europäische Grüne Deal wirklich ein Grund zum Aufatmen? Werden die lauten Rufe von Klimabewegung und -Wissenschaft nach einer radikalen Emissionssenkung endlich in politische Konzepte übersetzt? Und welche Rolle spielt dabei die Bioökonomie, die ebenfalls einen ökologisch-sozialen Umbau der Wirtschaft in Aussicht stellt? Vor ungefähr einem Dreivierteljahr, am 11. Dezember 2019, wurde der europäische Grüne Deal mit großen Worten in Brüssel vorgestellt. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen überschlug sich dabei mit Superlativen und sprach von einem historischen Moment, der mit der Mondlandung gleichzusetzen sei. So könnten die Klimakrise bekämpft, Wohlstand gesichert und Arbeitsplätze …

Online Workshop: Bioeconomy Policies in the EU

Many of the relevant decisions on political support and regulation of the bioeconomy are taken at EU level. With an online workshop on October 6th at 10:00 am to 12.15 pm, the German NGO Working Group on Bioeconomy aims to inform environmental NGOs from Germany and abroad as well as the interested public about recent developments within bioeconomy politics of the European Union. With inputs from EU experts, participants learn and discuss about implications of the European Green Deal as well as recent decisions on the EU Budget 2021-2027 and Horizon Europe and their consequences for the further development of the bioeconomy. Speakers: Peter Gerhardt, denkhausbremen / German NGO Working Group on Bioeconomy: Welcome Luke Edwards, BirdLife Europe: Consequences of recent EU financial decisions for bioeconomy policies Roman Brenne, European Commission, DG Innovation & Research: State of EU bioeconomy policies: The Commission’s perspective Linde Zuidema, FERN: Reflecting the needs to achieve a sustainable bioeconomy in the EU Martin Pigeon, Corporate Europe Observatory: How biotech industry influences EU policies on bioeconomy Questions and Discussion Peter Gerhardt: Conclusions …

René Röspel, SPD: Gerechtigkeit und Fortschritt miteinander verbinden

René Röspel im Gespräch mit denkhausbremen über Bioökonomie und über die Rolle der SPD beim ökologischen Umbau. René Röspel ist für die SPD im Deutschen Bundestag und ist Ordentliches Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.  denkhausbremen: Herr Röspel, wie sind Sie in ihrer parlamentarischen Arbeit mit dem Thema Bioökonomie befasst? René Röspel: Ich war in unserer Fraktion Berichterstatter für die Arbeitsgruppe “Bildung und Forschung” bis diese Aufgabe von meinem Kollegen Rainer Spiering übernommen wurde. So bin ich mit dem Thema in Berührung gekommen, das aber eher nur einen Promillebereich von meiner Arbeitszeit ausmacht. Dann beobachten Sie die Debatte mit einem ungetrübten Blick von der Seitenlinie. Wie beurteilen Sie die Bioökonomie aus dieser Perspektive? Ich bin Biologe und finde es grundsätzlich gut, wenn die Menschheit natürliche Systeme versteht und verantwortbar nutzt. Daraus ergeben sich Chancen, aber vielleicht auch der Irrglaube, dass Bioökonomie schon alle Probleme lösen werde. Deshalb müssen wir die Bioökonomie verantwortungsvoll gestalten, damit sich letztendlich die Chancen durchsetzen können. Ist das Versprechen der Bioökonomie realistisch, unseren Lebensstandard aus dem fossilen Zeitalter jetzt mit …

Gastbeitrag zur Bioökonomie in der Frankfurter Rundschau

Die Bioökonomie muss ergänzt werden von Peter Gerhardt und Jonas Daldrup 10. März 2020 Autoreifen aus Löwenzahn, Cola-Flaschen und Legosteine aus Zuckerrohr – Produkte, die bislang aus Erdöl gemacht wurden, werden in Zukunft vermehrt aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Dahinter steckt die Idee einer mit biologischen Ressourcen gespeisten Wirtschaft, für die sich der Begriff Bioökonomie etabliert hat. Die Bundesregierung hat dazu Anfang des Jahres eine ressortübergreifende Strategie vorgelegt und stellt auch das aktuelle Wissenschaftsjahr unter das Bioökonomie-Motto. Folgt man den Gedanken unserer Regierung, dann ist Bioökono­mie so etwas wie eine neue Weltformel, die viele Konflikte auflösen kann: Ökologie und Ökonomie werden miteinander versöhnt und am Ende winkt ein gutes Leben für alle. Wahrscheinlich aber kommt es ganz anders: Dass eine Wirtschaft auf Basis biogener Rohstoffe innerhalb der ökologischen Grenzen funktioniert, ist längst nicht ausgemacht. Die dazu nötige Biomasse fällt nämlich nicht vom Himmel. Schon heute sind die planetaren Grenzen in vielen Bereichen überschritten und stehen zu Recht im Fokus politischer Debatten. Der Klimawandel und die Bedrohung der Artenvielfalt bewegen Millionen Menschen in aller Welt. Zudem haben …