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Franz-Theo Gottwald: Industrielle Bioökonomie ist ein totalitärer Ansatz

Franz-Theo Gottwald ist Honorarprofessor, Lehrbeauftragter, Autor zahlreicher Publikationen und Vorstand der Schweisfurth Stiftung. In seinem Buch „Irrweg Bioökonomie“ kritisiert er  – gemeinsam mit Anita Krätzer – die Bioökonomie-Stragegie der Bundesregierung und warnt vor einer weiteren Ökonomisieung der Natur.    denkhausbremen: Die Industrie macht sich im Zuge der Bioökonomie-Debatte endlich Gedanken um einen Ausstieg aus den fossilen Energien und den Umstieg auf biogene Rohstoffe. Nun kommt die Umweltbewegung schon wieder daher und kritisiert das? Was würden sie dem entgegnen? Franz-Theo Gottwald: Ich glaube es gibt sehr wenig Verbindendes zwischen agrarökologischen Zukunftsvorstellungen und einem industriell bioökonomischen Leitbild. Zu dem Wenigen gehört, dass es für alle in Zukunft um eine postfossile oder gar klimapositive Landwirtschaft gehen muss. Angesichts der derzeitigen Klimaschäden, die die industrielle Landwirtschaft zu verantworten hat, ist es ja im Grundsatz gut, dass es zumindest eine gemeinsame Stoßrichtung gibt: den Schutz des Klimas. Danach gibt es aber die große Divergenz zwischen intensivierter Landnutzung zu Zwecken der Biomassemehrung und den Umwelt- oder Naturschutzzielen. Was meinen Sie mit der großen Divergenz? Agrarökologische Arbeit beruht auf dem Respekt vor …

Publikationen und Programme zur Bioökonomie

Einen Überblick zur deutschen Diskussion um Bioökonomie bieten die hier aufgeführten Veröffentlichungen. Einige sind als PDF frei verfügbar, die übrigen auf die jeweiligen Verlags-Webseiten verlinkt.   Ausgewählte Publikationen zum Thema Bioökonomie Anita Krätzer / Franz-Theo Gottwald (2014): Irrweg Bioökonomie. Kritik an einem totalitären Ansatz, Suhrkamp, 175 S. NABU-Studie (2014): „Bioökonomie für den Klima- und Ressourcenschutz – Regulative Handlungskorridore, 69 S. (PDF) — Zusammenfassung der Studie, 6 S. (PDF) Barbara Unmüßig / Thomas Fatheuer / Lili Fuhr (2015): Kritik der Grünen Ökonomie, Oekom, 192 S. Oya Ausgabe 35 (2015): Schwerpunkt Bioökonomie Christiane Grefe (2016): Global Gardening, Kunstmann, 320 S. Joachim Pietzsch (Hrsg.) (2017): Bioökonomie für Einsteiger, Springer, 217 S. Ökologisches Wirtschaften Nr. 1/2018: Schwerpunkt Bioökonomie iz3w – Zeitschrift Nr. 368 (2018): Bioökonomie – Kapital am Gedeihen FDCL (2018): Kontroverse Bioökonomie. Thesen zum Handlungsfeld Bioökonomie im entwicklungspolitischen Kontext, 15 S. (PDF) BfN (2018): Bioökonomie und Biodiversität. Workshop-Dokumentation, 60 S. (PDF)   Politische Programme zur Bioökonomie BMEL (2014): Nationale Politikstrategie Bioökonomie, 80 S. (PDF) BMEL (2016): Fortschrittsbericht zur Nationalen Politikstrategie Bioökonomie, 88 S. (PDF) BMBF (2010, gültig bis …

Bioökonomie – die neue Nebelwand aus der PR-Abteilung

Ein persönlicher Debattenbeitrag von Peter Gerhardt Was haben Biobäuerin und Chemiekonzern gemeinsam? Beide machen in Zukunft Bioökonomie – zumindest, wenn es nach den Strategen der Industrie geht. Diese fassen die Klammer weit, um möglichst viel unter dem Oberbegriff “Bioökonomie” abhandeln zu können – oder sollte man besser sagen, verschleiern zu können? Bioökonomie ist demnach “die Erzeugung und Verwertung biologischer Ressourcen für Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems.” Mehr geht nicht. Dahinter könnte die Absicht stecken, Genmais à la Monsanto mit einer bioökonomischen Tarnkappe auszustatten. Und so durch die Hintertür auf die Äcker der Republik zu bringen, obwohl der in der Bevölkerung so beliebt ist wie Fußpilz. So gesehen müssten in den PR-Abteilungen der Chemie-Giganten eigentlich die Sektkorken knallen, wenn der Begriff “Bioökonomie” möglichst inflationär in Umlauf kommt. Eine Industrie mit chronischen Akzeptanzproblemen bekäme so eine Glaubwürdigkeits-Frischzellenkur, weil diese mit dem Ökobauer in einen Bioökonomie-Topf geworfen würde. Die Klammer Bioökonomie wird vom PR-Sprech der Lobby noch weiter genutzt: “Die Menschheit macht ja schon immer Bioökonomie”, so geht der Singsang …

denkhausbremen startet Bioökonomie-Projekt

Das Zeitalter der fossilen Rohstoffe neigt sich dem Ende zu. Auch der Vorrat an weiteren Bodenschätzen ist endlich und erschöpft sich zusehends. Die Menschheit wird verstärkt auf nachwachsende Rohstoffe zurückgreifen müssen. Für eine mit biogenen Ressourcen gespeiste Wirtschaft hat sich der Begriff Bioökonomie etabliert. Auf nationaler und europäischer Ebene haben Politik und Wirtschaft bereits finanziell großzügig ausgestattete Forschungsprogramme implementiert und Bioökonomie-Strategien erarbeitet. Die Diskussionen über politischen Weichenstellungen und die Formulierung von Forschungszielen finden bislang weitgehend exklusiv in wissenschaftlichen Fachkreisen statt. Bis auf wenige Ausnahmen sind die bundesdeutschen Umwelt- und Entwicklungsverbände dort nur rudimentär eingebunden. Auch die Einrichtung eines Bioökonomierates konnte die NGO-Partizipation nicht maßgeblich steigern. Es ist zu befürchten, dass eine mögliche Bioökonomie die Ökonomisierung der Natur weiter vorantreibt und biogene Ressourcen auf ihren wirtschaftlichen Nutzen reduziert. Damit einher geht die Gefahr einer kontinuierlichen Expansion von industrieller Land- und Forstwirtschaft zu Lasten des Umweltschutzes. Zudem bringt der Rückgriff auf Biomasse nicht zwangsläufig einen sparsamen Ressourceneinsatz mit sich. Die notwendige ökologische Transformation kann nur gelingen, wenn fossile Rohstoffe nicht einfach eins zu eins durch biogene Rohstoffe …