Autor: jonas

Online Workshop: Bioeconomy Policies in the EU

Many of the relevant decisions on political support and regulation of the bioeconomy are taken at EU level. With an online workshop on October 6th at 10:00 am, the German NGO Working Group on Bioeconomy aims to inform environmental NGOs from Germany and abroad as well as the interested public about recent developments within bioeconomy politics of the European Union. With inputs from EU experts, participants learn and discuss about implications of the European Green Deal as well as recent decisions on the EU Budget 2021-2027 and Horizon Europe and their consequences for the further development of the bioeconomy. We are looking forward to your registration at veranstaltung@denkhausbremen.de. Find more information in the workshop program.

Susanne Fleischmann (BEK): Klimaschutz zur Bewahrung der Schöpfung

Susanne Fleischmann ist Geo-Ökologin und bei der Bremisch Evangelischen Kirche für das Thema Klimaschutz verantwortlich. denkhausbremen: Was sind Ihre Aufgaben, als Klimaschutzmanagerin der Evangelischen Kirche in Bremen? Susanne Fleischmann: Ich versuche den Überblick über all die Aktivitäten zum Klimaschutz zu behalten, die es in der Bremischen Evangelischen Kirche gibt – in den einzelnen Gemeinden passiert unwahrscheinlich viel in dem Bereich. Ich bin mit einer Stabsstelle im Haus der Kirche angesiedelt, während die Gemeinden rechtlich und wirtschaftlich komplett unabhängig sind. Wir können ihnen unsere Unterstützung anbieten, haben aber keinerlei Weisungsbefugnis. Das ist auch nicht nötig, weil viele Gemeinden sowieso aus eigenem Antrieb und mit Herzen klimaschützend unterwegs sind. Das liegt daran, dass der Begriff der „Bewahrung der Schöpfung“ zum Christentum gehört. Das heißt, wir haben eine Verantwortung für die Schöpfung. Darauf zu gucken, dass es den Mitgeschöpfen gut geht, ist sehr wichtig. Deswegen sind viele Gemeinden da aktiv, wie man so schön sagt: intrinsisch. Was genau tun die Gemeinden? Im Moment kommen viele Anfragen aus den Gemeinden, ob eine Photovoltaikanlage für sie sinnvoll ist oder nicht. …

Wolfgang Geißler (Einfach Einsteigen): Nahverkehr für alle!

Wolfgang Geißler ist Politikwissenschaftler und Sprecher der Initiative Einfach Einsteigen. Dort kümmert er sich um die Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit NGOs und Fachleuten aus Politik und Wissenschaft. denkhausbremen: Herr Geißler, mit Ihrer Initiative „Einfach Einsteigen“ plädieren Sie für einen ticketlosen Nahverkehr in Bremen. Warum? Wolfgang Geißler: Es gibt viele gute Gründe für einen ÖPNV ohne Fahrscheine in Bremen. Wenn Menschen vom Auto auf den Nahverkehr umsteigen verringern sich die CO2-Emissionen. Mit weniger Autos würde zudem viel öffentlicher Raum wieder frei, der im Moment für Parkplätze genutzt wird. Und wir sind uns sicher, dass auch die Wirtschaft in Bremen von einem stärker ausgebauten und ticketlosen Nahverkehr profitieren würde. Aktuell stehen Arbeitnehmer*innen morgens lange im Stau und kommen gefrustet zur Arbeit. Das ist schlecht für die Produktivität, Handwerksbetriebe und Logistik brauchen ewig, um von A nach B zu kommen. Der Einzelhandel befürchtet Umsatzverluste, wenn die Menschen nicht mehr mit dem Auto bis nah an die Ladentür fahren können. Im Gegenteil, auch für den Einzelhandel wäre der ticketlose Nahverkehr ein Teil der Rettung. Gerade durch Corona wird …

Frederike Oberheim (Fridays for Future): Wir müssen die Industrie transformieren!

Frederike Oberheim ist Studentin der Psychologie und Mitorganisatorin und Aktivistin der Fridays for Future Proteste in Bremen. Im Frühjahr 2020 hat der Landesfrauenausschuss sie zur Bremer Frau des Jahres gewählt.   denkhausbremen: Seitdem das Coronavirus die Welt in Atem hält, sind andere Themen in der öffentlichen Wahrnehmung weiter nach hinten gerückt. Schwierige Zeiten für die Klimabewegung, oder? Frederike Oberheim: Natürlich ist es für uns, wie für alle anderen wahrscheinlich auch, gerade nicht leicht. Wir mussten uns erstmal neu orientieren. Plötzlich nicht mehr demonstrieren zu können, war schon ein komisches Gefühl. Gleichzeitig gingen die Gespräche mit Politiker*innen aber weiter. Plötzlich sitzen wir mit am Tisch, weil wir als Gäste in die Enquete-Kommission Klimaschutz eingeladen wurden. Da bleibt es also spannend. Und so langsam werden Demonstrationen und andere Aktionen auch wieder möglich. Wir kommen also auf jeden Fall zurück! Können Sie der jetzigen Lage auch etwas Positives abgewinnen? Ich denke, dass wir aus dieser Situation einiges lernen können: Die Pandemie hat gezeigt, dass die Politik bereit ist, auf die Wissenschaft zu hören. Sie ist bereit, die wirtschaftlichen …

Gastbeitrag zur Bioökonomie in der Frankfurter Rundschau

Die Bioökonomie muss ergänzt werden von Peter Gerhardt und Jonas Daldrup 10. März 2020 Autoreifen aus Löwenzahn, Cola-Flaschen und Legosteine aus Zuckerrohr – Produkte, die bislang aus Erdöl gemacht wurden, werden in Zukunft vermehrt aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Dahinter steckt die Idee einer mit biologischen Ressourcen gespeisten Wirtschaft, für die sich der Begriff Bioökonomie etabliert hat. Die Bundesregierung hat dazu Anfang des Jahres eine ressortübergreifende Strategie vorgelegt und stellt auch das aktuelle Wissenschaftsjahr unter das Bioökonomie-Motto. Folgt man den Gedanken unserer Regierung, dann ist Bioökono­mie so etwas wie eine neue Weltformel, die viele Konflikte auflösen kann: Ökologie und Ökonomie werden miteinander versöhnt und am Ende winkt ein gutes Leben für alle. Wahrscheinlich aber kommt es ganz anders: Dass eine Wirtschaft auf Basis biogener Rohstoffe innerhalb der ökologischen Grenzen funktioniert, ist längst nicht ausgemacht. Die dazu nötige Biomasse fällt nämlich nicht vom Himmel. Schon heute sind die planetaren Grenzen in vielen Bereichen überschritten und stehen zu Recht im Fokus politischer Debatten. Der Klimawandel und die Bedrohung der Artenvielfalt bewegen Millionen Menschen in aller Welt. Zudem haben …

Klaus Prietzel (BUND): Bremen zur Solar City machen

Klaus Prietzel ist Vorsitzender des BUND Bremen sowie Betriebsleiter des Recyclinghofs in Bremen-Findorff. Er engagiert sich seit vielen Jahren für Klimaschutz und Energiewende in Bremen. denkhausbremen: Herr Prietzel, gerade wurde für Bremen die Klimanotlage ausgerufen und eine Enquete-Kommission soll parteiübergreifend eine Klimaschutz-Strategie ausarbeiten. Was halten Sie davon? Klaus Prietzel: Dass die Klimakrise weit oben auf der politischen Agenda steht, finden wir ganz richtig angesichts der Dringlichkeit des Themas. Es besteht ein großer Handlungsbedarf und wir sehen die Notwendigkeit, in den nächsten zehn Jahren einen Quantensprung in der Bremischen Klimapolitik zu schaffen. Dabei geht es vor allem um die Praxis. Den schönen Worten der neuen Landesregierung sind bisher noch keine Taten gefolgt – und auch nichts, das erkennen ließe, wie solche Taten aus Sicht der politischen Akteure aussehen könnten. Bei den praktischen Maßnahmen sehen wir daher ein riesiges Defizit und betrachten auch die aktuelle Diskussion mit zwiespältigen Gefühlen. Denn die Einrichtung einer Enquete-Kommission spart zunächst keine einzige Tonne CO2 ein. Schlimmstenfalls diskutieren wir einfach ein weiteres Jahr lang und verlieren wertvolle Zeit, bis wir endlich zur …

Hans-Otto Pörtner (IPCC): Die Klimakrise wird sich weiter verschärfen

Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner ist Co-Chair beim Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) und maßgeblich an der Erstellung von dessen Berichten beteiligt. denkhausbremen: Die Klimakrise ist derzeit in aller Munde. Wie ist Ihr Blick darauf? Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner: Beim IPCC haben wir einen globalen Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels. Wir beschäftigen uns mit den Möglichkeiten zur Anpassung ebenso wie mit der Frage, wie wir die Erderwärmung begrenzen können. In den letzten IPCC-Berichten haben wir geschaut, wie viel globale Erwärmung welche Schäden verursacht. Das kann uns bei Entscheidungen darüber helfen, wie stark wir die Emissionen von Treibhausgasen mindern müssen und woran wir uns am Ende anpassen können. Die Kombination von Minderung und Anpassung an den Klimawandel sollte am Ende dazu beitragen, eine nachhaltige Lebensweise auf unserem Planeten zu erreichen. Wie ist Bremen vom Klimawandel betroffen? Natürlich gibt es regionale Unterschiede. Ein küstennaher Standort wie Bremen ist zum Beispiel massiv vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht, der mit dem Klimawandel einhergeht. Daher sollte die Motivation der Küstenländer besonders groß sein, sich beim Klimaschutz zu engagieren …

Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung: Ökologie als Worthülse?

+++ Gemeinsame Pressemitteilung deutscher Umwelt- und Entwicklungsorganisationen +++ Berlin, Bremen 15. Januar 2020 Mit ihrer heute verabschiedeten Bioökonomie-Strategie legt sich die Bundesregierung nicht eindeutig fest. Zu Beginn des Papiers heißt es, dass „der Ressourcenverbrauch auf ein ökologisch verträgliches Maß reduziert werden“ muss, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Statt dies jedoch mit konkreten Maßnahmen zu unterlegen, konzentriert sich die Strategie im Weiteren auf technologische Innovationen und die verstärkte Erschließung und Nutzung biogener Rohstoffe. So lässt sich das Papier auch als Plädoyer für Gentechnik und eine weitere Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft lesen. Aus dem Eingeständnis, dass auch die biogenen Ressourcen endlich sind, werden nach Meinung der Umwelt- und Entwicklungsverbände damit weiterhin nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen. Es ist zu befürchten, dass die Bundesregierung mit der neuen Strategie trotz einiger positiver Elemente weiterhin dem Credo „Mehr Wachstum mit mehr Bioökonomie“ folgt. Diese Gleichung kann aber nicht aufgehen. Problematisch ist außerdem, dass sich die Bioökonomie-Strategie trotz ihrer internationalen Auswirkungen auf Biodiversität und das Recht auf Nahrung nicht in die zuständigen Konventionen im Rahmen der Vereinten Nationen einordnet. …

Gastbeitrag in der taz über Klimapolitik in Bremen

Radeln statt Reden Von Jonas Daldrup (denkhausbremen), Lisa Pörtner (Greenpeace) und Katja Muchow (BUND) 3. Januar 2020 Die Klimakrise ist keine ferne Zukunft mehr, sondern längst da. Sie wird sich weiter verschärfen, mit immer dramatischeren Folgen. Obwohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse eindeutig sind und zum unmittelbaren und entschiedenen Handeln auffordern, spricht die internationale Gemeinschaft nicht mit einer Stimme – der Klimagipfel in Madrid ist gerade kläglich gescheitert. Dabei brauchen wir nichts dringender als den politischen Willen, auf lokaler und internationaler Ebene endlich die notwendigen Maßnahmen umzusetzen. 2019 war ein Jahr neuer erschütternder Erkenntnisse Zur Erinnerung: Die Jahre 2015 bis 2019 waren laut Vereinten Nationen die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen, nie zuvor waren so viele Treibhausgase in der Atmosphäre wie jetzt. Und das, obwohl seit Jahrzehnten über Maßnahmen zum Klimaschutz verhandelt wird. Der Weltklimarat IPCC sendet mit seinen aktuellen Berichten eine eindringliche Mahnung: Uns bleibt nur noch wenig Zeit, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise zu verhindern. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas heizt unseren Planeten immer weiter auf, ebenso die industrielle Landwirtschaft. Durch diese …

Melanie Bergmann (AWI): Wir atmen Plastik.

Dr. Melanie Bergmann arbeitet als Meeresbiologin für das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Belastung der Meere mit Plastikmüll. denkhausbremen: Die Probleme mit Mikroplastik und Plastikmüll im Meer sind neben der Klimakrise eine weitere dramatische Folge aus der Nutzung fossiler Rohstoffe. Sie forschen seit Jahren zu diesen Themen – wie ist Ihr Blick darauf? Melanie Bergmann: Wir haben vor Kurzem mit dem Forschungsschiff „Sonne“ den Pazifik durchquert, von Vancouver bis nach Singapur – und wir haben sehr viel Müll gesehen. Anders als manche Medienberichte suggerieren, gibt es dort keinen Müllteppich, auf dem man laufen könnte. Aber wenn innerhalb einer Stunde 300 Teile Plastikmüll am Schiff vorbeischwimmen – und das in der Mitte des Ozeans fernab menschlicher Siedlungen – dann ist das schon eindrucksvoll. In der Datenbank Litterbase bringen wir die verfügbaren wissenschaftlichen Daten zusammen. So bekommen wir einen Überblick, wo überall schon Plastikmüll gesichtet wurde und welche Tiere besonders davon betroffen sind. Was würden Sie sagen, wie ernst ist das Problem? Das Problem ist schon sehr ernst. …