Greenwashing, International, Unkategorisiert, Waldschutz

TFFF: Grünes Geld für den Tropenwald?

Von Marlen Jirschitzka

Die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) wurde im Zuge der letzten Klimakonferenz als innovativer Durchbruch in Sachen Regenwaldschutz gefeiert. Bei Tageslicht besehen reiht sich das Konzept allerdings ein in erfolglose Versuche des marktbasierten Umweltschutzes. Mit diesem Beitrag zeigen wir auf, warum Waldschutz durch Finanzmarktrenditen keine gute Idee ist. Dr. Johannes Jäger, VWL-Professor aus Wien, hat uns dabei mit seiner finanzwissenschaftlichen Expertise unterstützt.

Tropenwälder sind in ihrer Bedeutung für das Leben auf der Erde kaum zu überschätzen: Sie sind Lebensraum einer atemberaubenden Vielfalt von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, sie stabilisieren das Klima und regulieren den Wasserhaushalt der gesamten Erde. Nicht zuletzt sind sie seit Tausenden von Jahren Heimat von Menschen, die in, von und mit ihnen leben. Daher ist es ein dringendes Gebot der Stunde, die seit Jahrzehnten andauernde Vernichtung von Tropenwäldern zu stoppen. Auf der letzten Klimakonferenz COP30 in Belèm, Brasilien, hat ein Konzept für Aufsehen gesorgt, das diese Aufgabe mit Hilfe des Finanzmarkts erfüllen soll: die Tropical Forest Forever Facility, kurz TFFF.

Ein Konzept, das polarisiert

Kerngedanke der TFFF ist es, Ländern mit Tropenwald Geld zu geben, wenn sie ihren Wald erhalten. Diese Länder sollen 4 US-Dollar pro Hektar stehengebliebenen Waldes bekommen, wovon wiederum 20 % an indigene Gemeinschaften fließen sollen. Das Geld soll aus einem Anlagefonds kommen, dem Tropical Forest Investment Fonds (TFIF). Interessant ist, dass die TFFF Zustimmung erhält von normalerweise eher gegensätzlichen Akteuren der öffentlichen Debatte – von Staaten über Unternehmen und Banken bis hin zu NGOs aus dem umwelt- und entwicklungspolitischen Spektrum2,7. Auf der COP30 wurde sie teils “geradezu leidenschaftlich” begrüßt5, etwa von manchen Interessenvertretungen der indigenen Bevölkerung, und auch international gab es viel positive Resonanz sowie erste Geldzusagen von Staaten.

Andererseits gibt es auch deutliche Kritik von NGOs und aus der Wissenschaft – und zwar an so ziemlich allen Aspekten der TFFF. Zum Beispiel an den ungleichen Machtverhältnissen, die sie prägen: Hauptorganisatorin ist die Weltbank, in der Länder des Globalen Nordens überproportional viel Entscheidungsmacht besitzen. Eine effektive Beteiligung indigener Gemeinschaften, mit Einfluss auf Entscheidungen der Facility oder des Fonds, ist nicht vorgesehen, und die Weiterleitung der zugesagten Gelder an sie keineswegs gesichert. Umweltexpert*innen bezweifeln zudem, dass die TFFF tatsächlich zu mehr Waldschutz führt – dafür seien die Zahlungen zu gering, die Anforderungen zu hoch und der Ansatz zu wenig auf die Ursachen von Waldzerstörung fokussiert2.

Waldschutz goes Finanzmarkt 

Besonders kritisch wird das Geschäftsmodell der TFFF diskutiert, das im Kern auf risikoreichen Investments an den internationalen Finanzmärkten basiert. Dieses Konstrukt sagt viel über die Natur der TFFF und es lohnt sich, ein wenig in die Details einzutauchen. Die Grundidee ist folgende: Zuerst werden 25 Milliarden Dollar von Staaten und spendablen Privatorganisationen eingesammelt, die als Absicherung dienen für weitere 100 Milliarden von privaten Investoren1,4. Der TFIF leiht sich dieses Geld und verpflichtet sich, es innerhalb von 30 bzw. 40 Jahren mit einem Zinssatz von etwa 5 % zurückzuzahlen, wobei die privaten Investoren Vorrang vor den staatlichen bekommen. Das geliehene Geld verleiht der Fonds weiter und wählt dabei Anlagen, die einen höheren Zins einbringen – idealerweise 8 %3. Die bis zu 3 % Überschuss, die der TFIF auf diese Weise erzielen soll, sind die geplanten jährlichen 4 Milliarden für den Waldschutz.

Geldtransfer von Süd nach Nord

Nun entstehen Zinsen auf Finanzanlagen nicht aus der Luft, sondern müssen von jemandem gezahlt werden – und hier ist interessant, von wem. Der angestrebte Zinssatz von 8 % deutet darauf hin, dass schwerpunktmäßig Anleihen an weniger kreditwürdige Akteure getätigt werden sollen: high risk, high return3. Und das dürften, nach aktuellen Einschätzungen, vor allem Staaten und Unternehmen im Globalen Süden sein2. Das bedeutet: Es ist wahrscheinlich, dass ein namhafter Teil des Geldes, das der TFIF einbringt, aus dem Globalen Süden selbst kommt. In der öffentlichen Debatte herrscht diesbezüglich ein vollkommen anderes Framing: die Länder und Investoren des Globalen Nordens treten als Geber auf, Länder mit Tropenwald als Empfänger von Geldern. Aber Investoren spenden kein Geld für einen guten Zweck – sie erhalten es mit Zinsen zurück und vergrößern so ihr Vermögen. Währenddessen zahlt der Globale Süden unter Umständen einen Großteil sowohl der Zinsen an die Investoren im Globalen Norden als auch der Wald-Prämien. Das finanzielle Konstrukt der TFFF basiert also potenziell auf Schulden im Globalen Süden und einem Geldtransfer von Süd nach Nord.

Laut Prof. Dr. Johannes Jäger, Finanzmarktexperte der Wiener Hochschule für Wirtschaft, Management und Finance, ist dies ein strukturelles Problem internationaler Finanzinvestitionen: ”Wenn wir uns das globale Finanzsystem anschauen, ist es so, dass laut UNCTAD-Schätzung rein auf dieser Ebene rund 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr vom Globalen Süden in den Globalen Norden transferiert werden – durch Finanzinvestitionen in diesen Ländern, die dann wieder zu mehr Abflüssen führen. Es ist ja so: Wenn man irgendwo 100 Euro investiert, möchte man mehr als 100 rausbekommen. Das heißt, im Endeffekt hat man Netto-Abflüsse. Und wir sehen jetzt mit dem Wiederentdecken des Globalen Südens, mit dem Green Grabbing zum Beispiel, dass sich diese Art von Finanzflüssen verstärkt.”


Prof. Dr. Johannes Jäger ist Fachbereichsleiter für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft, Management und Finance in Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Ökonomie, internationale Entwicklung und Finanzmärkte.

Ob aber der TFIF diese Investitionen tätige oder ein anderer Investor, sei für das Gesamtbild nicht entscheidend, so Dr. Jäger. Das Problem sieht er eher darin, dass durch die TFFF ein System Legitimation erfährt, das strukturell zu Finanzflüssen vom Globalen Süden in den Globalen Norden beiträgt.” Ein Aspekt, der aber doch spezifisch zur TFFF gehört, ist die staatliche Absicherung der Gelder von Privatinvestoren. Die 25 Milliarden Dollar “Startkapital” des TFIF werden für den Fall, dass die Renditen nicht wie erhofft ausfallen, zur Auszahlung der anderen Investoren herangezogen4. Hier sichern also Staaten – teils im Globalen Süden – die Renditen von privaten Finanzanlegern ab.

Rendite und Waldschutz: ein Zielkonflikt

Auch, was den Waldschutz selbst angeht, täuscht der äußere Schein der TFFF über ihren inneren Aufbau hinweg. Die Ziele der TFFF – hohe Renditen einerseits, Waldschutz andererseits – stehen in einem ideellen Widerspruch zueinander. Unternehmen und Staaten, die sich vom TFIF Geld leihen, müssen die Rückzahlung plus Zinsen erwirtschaften. Weil sie dafür direkt oder indirekt natürliche Ressourcen benötigen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie dabei ökologische Schäden mitverursachen – inklusive der Abholzung von Wäldern2,5. In der Kommunikation rund um die TFFF ist davon aber nichts zu sehen. Auf ihrer Website sind schöne Formulierungen und romantische Bilder von ursprünglichen Wäldern zu finden, es ist von „Nature Positive Finance“ die Rede – eine Investition in die Natur6. Die TFFF steht für die Idee, man könne profitorientierte Finanzsysteme einfach klug nutzen, damit sie für die Natur arbeiten. Sie verschweigt dabei, dass große Renditen eher mit der Ausbeutung als mit dem Schutz natürlicher Ressourcen erwirtschaftet werden. Eine solche Verschleierung von Zielkonflikten – übrigens eine klassische Greenwashing-Taktik – mindert den Druck, bestehende Verhältnisse politisch zu verändern, indem sie suggeriert, internationale Finanzmärkte seien eigentlich Motoren des Waldschutzes. 

Über die Idee ökologischer Transformation durch grüne Finanzmarktinstrumente haben wir auch mit Dr. Jäger gesprochen. Er hat uns am Beispiel von als nachhaltig beworbenen Finanzanlagen erklärt, dass es hierbei wichtig ist, zwischen Finanzmarkttransaktionen und Realwirtschaft zu unterscheiden: Wenn wir mehr fair gehandelten Kaffee kaufen, dann wird irgendwann etwas mehr fair gehandelter Kaffee produziert. Und viele haben die Vorstellung, wenn Menschen in Finanzanlagen investieren, dass das so ähnlich funktioniert wie beim Kaffee, sprich je mehr in grüne Finanzanlagen investiert wird, umso mehr grüne Projekte werden finanziert. Und das ist schlicht und einfach falsch, weil Finanzmärkte anders funktionieren. Wenn mehr Leute irgendwelche grünen Investmentzertifikate kaufen, dann verändert sich nicht der Anteil der grünen Finanzierung die zur Verfügung steht, sondern einfach die Eigentümerinnenschaft, sprich: ich oder Sie sind dann im Besitz einer grünen Anlage, und ein anderer hat eine braune Anlage. Aber im Endeffekt passiert an der realen Basis nichts.” Entscheidend für das, was an der Basis passiert, sei stattdessen vor allem, so Dr. Jäger, wie rentabel welche Form des Wirtschaftens tatsächlich ist. Und an der Profitabilität von Bergbau, intensiver Landwirtschaft und anderen Ursachen für Waldzerstörung, ändert die TFFF erstmal nichts.

Ein unsicheres Instrument

Sie könnte dann etwas in der Realwirtschaft verändern, wenn ihre Geldausschüttungen Länder in die Lage versetzen würden, besseren Waldschutz zu betreiben und waldschädliche Wirtschaftsweisen zu unterbinden. Starke demokratische Institutionen, klare Vorgaben für Unternehmen und Landrechte für die indigene Bevölkerung sind bewährte Instrumente zum Schutz von Regenwäldern – und kosten Geld: Institutionen müssen betrieben, Regelungen kontrolliert und durchgesetzt werden; Zahlungen könnten zudem für den Ausfall wirtschaftlicher Nutzung von Waldflächen kompensieren. Doch für all das bräuchte es regelmäßige, auf lange Sicht verlässliche Zahlungen. Und genau das kann die TFFF nicht bieten. Denn die 8 % jährliche Rendite, mit denen sie plant, sind keineswegs sicher, wie die Ökonomen Max Matthey und Aidan Hollis klarstellen3. Unter Umständen fallen die Erträge deutlich niedriger aus – dann bleibt, nachdem die Investoren ausgezahlt wurden, weniger oder gar kein Geld mehr für den Regenwald. Diese Unsicherheit ist keine verlässliche Grundlage für Länder, um langfristig besseren Waldschutz zu organisieren und Wirtschaftsweisen dauerhaft zu verändern.

Ein Fonds für Investoren, nicht für den Wald

Warum also überhaupt auf den Finanzmarkt setzen? Würde es einfach nur darum gehen, 4 Milliarden Dollar für den Waldschutz einzusammeln, gäbe es deutlich naheliegendere Geldquellen, wie etwa Larry Lohmann in seiner ausführlichen Analyse der TFFF zeigt2. Zum Beispiel entspräche diese Summe nur 0,15 % der jährlichen globalen Militärausgaben und einem geringen Bruchteil der 600 Milliarden Dollar fossiler Subventionen. Auch gegen die von der UNCTAD geschätzten jährlichen 250 Milliarden Netto-Finanzabflüsse aus dem Globalen Süden in den Globalen Norden sind 4 Milliarden eine ziemlich kleine Summe. Mit entsprechendem politischen Willen wäre es möglich, Teile dieser Gelder im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit umzuleiten, statt auf Risikoanleihen zu setzen. Hierfür plädiert auch Dr. Jäger: Es wäre viel einfacher, man mobilisiert öffentliche Gelder, um den Regenwald zu schützen. Da wäre zum Beispiel eine Möglichkeit: Man besteuert Unternehmen oder Profite im Finanzsektor im Globalen Norden und verwendet diese Steuern zweckgebunden zum Schutz des Regenwalds im Globalen Süden. Man schickt es nach Brasilien und verwendet es für konkrete Maßnahmen, um die Abholzung möglichst zu stoppen.” 

Dass die TFFF stattdessen lieber auf Risikoanlagen mit Vorrang der Investorengewinne vor den Waldschutz-Zahlungen setzt, verrät deutlich, für wen sie eigentlich gemacht ist. Ihr Nutzen für die Tropenwälder ist zweifelhaft, der für Länder mit Tropenwald ebenso. Der Benefit für Investoren aber ist klar erkennbar: eine neue sichere Anlagemöglichkeit, inklusive der Option, sich mit dem eigenen ökologischen Engagement zu schmücken. Hierfür wirbt die TFFF offen auf ihrer Website: Ein Investment sei eine “einzigartige Gelegenheit, solide Renditen mit glaubwürdigem, weitreichendem Natur- und Klimaeffekt” zu kombinieren und die eigenen Beiträge zu Klimaneutralität und Biodiversität in der Unternehmensberichterstattung hervorzuheben6. Angesichts der eingangs thematisierten Machtverhältnisse, die die TFFF prägen, verwundert diese Ausrichtung nicht.

Eine Lösung, mit der alles bleibt, wie es nicht sein sollte 

Auch wenn Alternativen in Form einer anderweitigen Mobilisierung öffentlicher Gelder für den Waldschutz in der aktuellen politischen Lage alles andere als realistisch erscheinen: die TFFF ist nicht die fortschrittliche Lösung, als die sie präsentiert wird. Sie ändert aller Voraussicht nach wenig an ökologisch schädlichen Wirtschaftsweisen oder anderen Ursachen von Waldzerstörung. Sie baut auf einem Finanzmarkt auf, der globale Ungleichheit verstärkt, und verfestigt bestehende Machtverhältnisse zwischen Nord und Süd. Sie erlaubt es Regierungen im Globalen Norden, mit öffentlichkeitswirksamen Investments von mangelhafter Umwelt- und Entwicklungspolitik abzulenken. Und sie bietet finanzkräftigen Unternehmen neue Anlagemöglichkeiten mit einem grünen Label. Zugespitzt: Profiteure der Weltwirtschaft können Geld verdienen und dabei ihr Image grüner waschen – ansonsten bleibt alles so, wie es nicht sein sollte. 

Quellen: 

  1. Global Forest Coalition: TFFF – a false solution for tropical forests. https://globalforestcoalition.org/report-tfff/ (16.02.26)
  2. Lohmann, L. (2025): Spoils of a Continuing Colonialism: The Tropical Forest Forever Facility. Download: https://www.wrm.org.uy/publications/spoils-of-a-continuing-colonialism-the-tropical-forest-forever-facility (16.02.26)
  3. Matthey, M., Hollis, A. (2025): TFFF – Brazil’s rainforest fund is a high risk gamble with taxpayers’ money. https://table.media/en/climate/opinion/tfff-brazils-rainforest-fund-is-a-high-risk-gamble-with-taxpayers-money
  4. Governo federal Brasil (2025): An innovative financing mechanism to incentivize long-term forest conservation at scale. Concept Note 3.0. https://tfff.earth/wp-content/uploads/2025/10/TFFF-Concept-Note-3.1.pdf
  5. Fatheuer, T. (2025): Kurze Bilanz der COP30: Ein grandioser Flop – oder doch nicht? „FDCL-Briefing 4“ zur brasilianischen Umwelt- und Klimapolitik. Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (Hrsg.). Download: https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2025/12/Kurze_Bilanz_COP_30_WEB.pdf (16.02.26)
  6. https://tfff.earth/ (16.02.26)
  7. https://www-cdn.plant-for-the-planet.org/wp-content/uploads/2025/11/tfff_brief_bundeskanzler_2025-11-11.pdf (16.02.26)