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Wege ins post-fossile Zeitalter

Die deutsche Bundesregierung plant derzeit eine neue Nationale Bioökonomiestrategie. Mit der sogenannten Bioökonomie soll die erdölbasierte Wirtschaft auf biologische, nachwachsende Rohstoffe umgestellt werden. Ziel ist, die Klimakrise ebenso zu bekämpfen wie die Vermüllung der Meere und die Verbreitung von Mikroplastik, die sich alle aus der Nutzung fossiler Rohstoffe ergeben.

Das klingt vernünftig. Zwar hat das fossile Zeitalter sehr vielen Menschen einen historisch beispiellosen materiellen Wohlstand gebracht. Doch angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel und der Verbreitung von kleinsten Kunststoffpartikeln bis in die entlegensten Naturgebiete der Erde lässt sich kaum bestreiten, dass es nur sinnvoll wäre, wenn wir diese Zeit hinter uns lassen.

Aber was hat die Bioökonomie zu bieten? Biomasse aus Land- und Forstwirtschaft soll an die Stelle von Kohle, Öl und Gas treten und als neuer Grundstoff für die Industrie dienen. Nun ist unser heutiger Verbrauch von Rohstoffen gigantisch. Unvorstellbare 11 Milliarden Tonnen fossile Ressourcen werden jedes Jahr weltweit gefördert [1]. Gleichzeitig werden schon jetzt über 11 Milliarden Tonnen Biomasse genutzt, als Futtermittel (58 %), Lebensmittel (14 %), für Bioenergie (17 %) oder als Grundstoff zur weiteren Verarbeitung (10 %) [2].

Um fossile Rohstoffe durch Biomasse zu ersetzen, müssten also die weltweiten Anbauflächen oder der Ertrag pro Fläche drastisch gesteigert werden. Beides ist aber begrenzt, und die Produktion von Biomasse ist alles andere als umweltneutral: die industrielle Landnutzung ist schon heute einer der stärksten Treiber für das Artensterben [3] und die Klimakrise [4], für Vertreibungen und soziale Konflikte in Ländern des globalen Südens. Um fossile Rohstoffe beim heutigen Verbrauch einfach zu ersetzen, ist also weder ausreichend Biomasse verfügbar, noch ist diese Strategie umwelt- und sozialverträglich.

Wenn wir Nachhaltigkeit erreichen wollen, lautet die entscheidende Frage: Wie kommen wir runter von einem Ressourcenverbrauch, der die ökologischen Grenzen des Planeten sprengt? Wir brauchen Antworten, die Ökosysteme und Klima wirksam entlasten – und zugleich nicht zu Lasten der Ärmeren in der Gesellschaft gehen. Nur wenn es uns gelingt, den Ressourcenverbrauch durch geeignete politische Rahmenbedingungen zu senken, kann eine Wirtschaft mit neuen Produkten auf Basis nachwachsender Rohstoffe ein echter Beitrag zur Nachhaltigkeit sein.

 

[1] International Energy Agency (IEA): Key World Energy Statistics 2017, Angabe in Erdöläquivalenten

[2] Lippe et al. (2017): Die Herkunft der Biomasse, in: Pietzsch, Joachim: Bioökonomie für Einsteiger

[3] Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES, 2019): Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services.

[4] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, 2019): Climate Change and Land.