Autor: peter

Frank Robra-Marburg (EXPA): Für eine Psychiatrie auf Augenhöhe!

Frank Robra-Marburg von der Organisation EXPA im Gespräch mit denkhausbremen. EXPA ist die Abkürzung für Experten Partnerschaft.  Titelfoto: Frank Robra-Marburg bei einer der EXPA-Aktionen “Freitagsesel” für Aufklärung über psychische Erkrankungen gegen Stigmatisierung und für aufsuchende Genesungsbegleitung. denkhausbremen: Wie ist die EXPA entstanden? Frank Robra-Marburg: Die EXPA wurde 2002 aus einem Seminar heraus gegründet. Lange waren wir eine Arbeitsgruppe, erst 2013 wurden wir zum Verein. Wir nennen uns auch EXpert*innen PArtnerschaft im Trialog. Hier kommen Betroffene, Angehörige und Mitarbeiter des psychiatrischen Hilfesystems zum gleichberechtigten Austausch zusammen, um einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Wir setzen uns für eine ganzheitliche Sichtweise psychischer Erkrankungen ein. Aus unserer Sicht sind diese eher Ausdruck von Ohnmacht und Hilflosigkeit in schwierigen kritischen Lebenssituationen. Von Anfang an ging es darum Erfahrungen einzubringen von Menschen, die schwere psychische Krisen durchlebt und meist psychiatrische Dienste genutzt haben. Heute ist die EXPA ein unabhängiger Kooperationspartner für Institutionen des psychiatrischen Versorgungssystems. Wir bilden ein Netzwerk mit Mitgliedern und Aktiven in Bremen und Bremerhaven. Man könnte uns als Interessenvertretung beschreiben, denn Menschen mit psychischen Erkrankungen, haben häufig …

Portrait Karen Ehlers

Karen Ehlers (Sisters e.V.): Sexkauf verbieten!

Karen Ehlers von Sisters e.V. im Gespräch mit denkhausbremen. Bei Sisters e.V. ist Sie verantwortlich für die Finanzen. Der Verein hat sich im Mai 2015 gegründet und konnte im letzten Jahr 49 Frauen beim Ausstieg aus der Prostitution finanziell unterstützen. denkhausbremen: Wie können wir uns Eure Arbeit vorstellen? Karen Ehlers: Wir sind eine kleine schlagfertige Gruppe. Unser Vorstand besteht aus drei Personen: Sabine Constabel, Fachfrau im Gebiet Prostitution und Ausstieg, die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Braymaier und ich bin die Dritte im Bunde. Wir haben bundesweit 360 Mitglieder und in Stuttgart, Tübingen, Köln und Berlin gibt es jeweils Ortsgruppen, die in erster Linie Öffentlichkeitsarbeit mit Infoständen oder Diskussionsrunden machen. Für diese haben wir zur Orientierung einen Leitplan geschrieben, an welchen sie aber nicht gebunden sind. Wir arbeiten zudem ehrenamtlich und sind auf Spenden angewiesen. In Berlin und in Köln haben wir schon einige Aussteigerinnen betreut. Dabei profitieren wir auch von ehemaligen Aussteigerinnen, die ihre Erfahrungen gerne weitergeben. Besonders Rumäninnen und Bulgarinnen helfen uns bei der Überwindung der Sprachbarriere. Die meisten Frauen, melden sich aber bei uns in …

Offene Arbeit: Raum für Engagement und Gemeinschaft

Wolfgang Musigmann und Matthias Weiß von der “Offenen Arbeit” in Erfurt im Gespräch mit denkhausbremen. (Titelfoto von rechts: Matthias Weiß, Wolfgang Musigmann, Peter Gerhardt)   denkhausbremen: Wie müssen wir uns die Offene Arbeit zu DDR-Zeiten vorstellen? Offene Arbeit: Die Offene Arbeit wurde 1979 ins Leben gerufen und das hat Menschen angelockt – Intellektuelle aber auch Arbeiter. Besonders war, dass hierher auch Ausgestoßene aus der DDR-Gesellschaft kommen konnten. Das waren z.B. Nichtangepasste, Kriminelle und Menschen die viel Alkohol getrunken haben; andere Drogen gab es in der DDR fast nicht. Außerdem wurden hier vor 1989 auch Zeitschriften gedruckt und herausgeben die nicht genehmigt waren. Das war gefährlich. Und wie wurden diese Zeitschriften verbreitet? Was war der Vertriebsweg? Mit der Post, persönlich und wenn man nach Berlin gefahren ist, dann hatte man welche dabei. Auf solchen Wegen eben. Gedruckt haben wir mit Ormig-Maschinen (Matrizendrucker) und mit Durchschlagpapier (Durchschreibepapier). Wir haben dann zum Beispiel 6 Durchschläge in die Schreibmaschine gespannt. Es gab hier übrigens auch eine Umweltbibliothek mit Büchern wie „Global 2000“, die es eigentlich in der DDR nicht …

BiKo: Gemeinsam erschließen wie die Welt besser sein könnte…

Das BildungsKollektiv (BiKo) aus Erfurt im Gespräch mit denkhausbremen. Das BiKo wurde vertreten von Michel, der seit den Anfängen des BiKo dabei ist, und Walter, der vor zehn Jahren dazu gestoßen ist. denkhausbremen: Gebt uns doch mal einen Einblick wie das BiKo entstanden ist? Michel: Vor mehr als 20 Jahren war ich in einer globalisierungskritischen Hochschulgruppe aktiv. Irgendwann haben wir Leute von einem Wohnprojekt auf einem kleinen Dorf in der Nähe von Erfurt kennengelernt. Die haben uns angeboten, Seminare und Veranstaltungen bei ihnen durchzuführen. Das haben wir dann Ende der 1990er-Jahre gemacht und es war eine schöne Kooperation zwischen einer eher jungen, radikalen Szene aus der Stadt und den Leuten aus der DDR-Bürgerrechtsbewegung auf dem Land. Sowohl das Wohnprojekt als auch die Politgruppe haben sich Anfang der 2000er-Jahre gespalten und aus den Resten hat sich das Bildungskollektiv zusammengeschlossen. Thematisch bearbeiten wir nicht nur große, sondern gerne auch «Gänseblümchen-Themen» Wir gucken nicht in erster Linie wo es gerade Gelder gibt, sondern was uns interessiert und wo es in unserem Umfeld Interesse oder Bedürfnisse gibt. Durch Eure …

Wälder unter Druck: Warum die Bioökonomie unsere Ökosysteme bedroht

Von Peter Gerhardt Das Zeitalter der fossilen Rohstoffe neigt sich dem Ende zu. Die Menschheit wird verstärkt auf nachwachsende Rohstoffe zurückgreifen müssen. Für diese mit biogenen Ressourcen gespeiste Wirtschaft hat sich der Begriff Bioökonomie etabliert. Damit geraten auch die Wälder unter Druck, deren Holz für die Rohstoffversorgung der biobasierten Zukunft eine entscheidende Rolle beigemessen wird. Dabei sind die Waldökosysteme bereits heute von der globalen Holznachfrage für Brennstoff, Konstruktionsmaterial, Stromproduktion oder Zellstoff für die Papierproduktion erschöpft. Die natürlichen Grenzen unseres Planeten erreichen zunehmend das Zentrum der politischen Debatte: Der Klimawandel bewegt Millionen Menschen rund um den Globus. Brasiliens brennende Regenwälder sind im Hinblick auf das globale Klima heute längst keine nationale Angelegenheit, sondern auch ein Thema für die Weltgemeinschaft. Selbst die schwindende Arten­vielfalt ist im Mainstream angekommen und mobili­siert im Bundesland Bayern 1,8 Millionen Wählerinnen und Wähler beim Volksbegehren »Rettet die Bienen!«. Gleichzeitig werden große Teile der Bevölkerung von enthemmten Marktkräften vor sich her getrie­ben, was eine zunehmende Ökonomisierung sämt­licher Lebensbereiche nach sich zieht. Das Primat der Politik gerät dadurch ins Wanken, weil unklar ist, wie …

Keine gute Idee: Öko-Siegel für die Bioökonomie

Es gibt sie für Holz, Papier, Palmöl oder Kabeljau: Nachhaltigkeits-Siegel. Allzu oft sind diese mit großem Tamtam für eine bessere Welt gestartet worden, um hinterher ernüchtert festzustellen, dass Raubbau und Umweltzerstörung einfach weitergehen. Das könnte daran liegen, dass viele dieser freiwilligen Zertifzierungsinitiativen ein paar grundsätzliche Webfehler eingebaut haben. Bleibt zu hoffen, dass Politik, Wirtschaft und Verbände aus Fehlern der Vergangenheit lernen und Öko-Siegel skeptisch hinterfragen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Bioökonomie-Debatte bei der es darum geht, unsere Wirtschaft von fossil auf biogen umzustellen. Auch hier wird der Ruf nach Öko-Zertifikaten lauter. Schon heute ist der Globus erschöpft von der Biomasse, die wir im abverlangen: Das führt zu überfischten Meeren für Käpt’n Iglo und zerstörten Regenwäldern für drei-Euro-Hähnchen. Wenn nun in Zukunft fossile Rohstoffe auch noch komplett durch Biomasse ersetzt werden sollen, dann stellt sich mit Recht die Frage, auf welcher Erde das wachsen soll oder welche Umweltverbrechen oder Menschenrechtsverletzungen wir dafür möglicherweise in Kauf nehmen wollen. Auch die globale Ressourcenverteilung könnte in eine noch größere Schieflage geraten. Weil in Industrienationen der nördlichen …

Barbara Hendricks: Umweltverbände starren zu stark auf eine hohen CO2-Preis

Barbara Hendricks im Gespräch mit denkhausbremen. Die ehemalige Bundesumweltminsterin und SPD-Bundestagsabgeordnete erläutert die Versäumnisse der SPD in der Klimapolitik, spricht über soziale Gerechtigkeit beim Klimaschutz und den Einsatz von Biomasse bei der Energieerzeugung. Foto: © Deutscher Bundestag/ Inga Haar. denkhausbremen: Hat der Klima-Zeitgeist die SPD kalt erwischt? Was ist Ihre Analyse? Barbara Hendricks: Ja, das ist bedauerlicherweise so. In meiner Amtszeit als Bundesumweltministerin habe ich durchaus Unterstützung von den Fachpolitiker*innen gehabt, aber keinen ausreichenden Rückenwind aus meiner Partei. Das ist ein klares Versäumnis der SPD, das hätten wir ein paar Jahre früher deutlich machen können. Wenn ich das mal für mich in Anspruch nehme, war ich ja durchaus das Gesicht für den Klimaschutz nach dem Pariser Klimaabkommen. Das hat sich die SPD aber nicht zunutze gemacht – auch in den Folgejahren 2016 bis 2018. Wie bewerten Sie das aktuelle Klimaschutzpaket der Groko?  Ich war am Anfang sehr skeptisch, habe mir das alles aber nochmals in Ruhe angesehen. Natürlich hätte man mit einem höheren Einstiegspreis bei CO2 anfangen können, dann hätten aber auch die Entlastungen anders sein …

Marianne Klute im Interview

denkhausbremen-Indosienexpertin Marianne Klute hat mit radio dreyeckland über die Palmölproduktion in Indonesien gesprochen  –  und wie dafür Menschenrechte unter die Räder kommen und die Umwelt zerstört wird:   Hier das Interview auf der Website von radio dreyeckland.  Titelbild: Marianne Klute auf Recherche in Borneo, Indonesien. Im Hintergrund eine neue Palmölplantage  

Stellungnahme zum Entwurf einer Nationalen Bioökonomiestrategie

Die Bundesregierung hat einen Entwurf für eine Nationale Bioökonomiestrategie zur Kommentierung bereitgestellt. Nachfolgend im Wortlaut die Stellungnahme der unterzeichnenden Umwelt und Entwicklungsverbände oder downloaden Sie das Dokument im Orginal als pdf. Die unterzeichnenden Organisationen bedanken sich für die Gelegenheit zur Stellungnahme in Bezug auf den Entwurf für eine Nationale Bioökonomiestrategie. Der dazu von den federführenden Ministerien (BMBF, BMEL) eingeräumte zweiwöchige Zeitraum innerhalb der Sommerferienzeit ist allerdings in keiner Weise akzeptabel und daher ungeeignet, um solch ein grundsätzliches und umfangreiches Dokument mit der gebotenen Sorgfalt und Detailtiefe zu kommentieren. Deshalb behalten wir uns vor, im weiteren Beratung- sprozess neue Aspekte und vertiefende Argumentationen einzubringen. Dieser Prozess wird ansonsten der Forderung nach einer ausreichenden und frühzeitigen Partizipation der Zivilgesellschaft nicht gerecht und steht im Widerspruch zu den im Entwurf in Aussicht gestellten “transparenten Dialog- und Partizipationsprozessen” Wir begrüßen zwar ausdrücklich, dass die Bundesregierung in ihrem Entwurf punktuell zentrale Gedanken der Nachhaltigkeitsdebatte aufgegriffen hat. Das Papier mahnt Biodiversitäts- und Klimaschutz, Bodenfruchtbarkeit und Verteilungsgerechtigkeit an und erwähnt darüber hinaus die Bedeutung von Suffizienz und eine mögliche “Umstellung des Wirtschaftssystems”. …

Gastbeitrag im Weserkurier über erfolgreiche Klimapolitik

Langfristig erfolgreiche Klimapolitik geht nur gerecht Gastkommentar im Weserkurier über Klimapolitik von Peter Gerhardt,  31.05.2019 Fossile Energie muss teurer werden und Billigflieger sollen nicht mehr starten – Klimapolitik über den Geldbeutel, bei der die soziale Frage ausgeblendet wird, ist schädlich, warnt Gastautor Peter Gerhardt. Ungerechte Klimapolitik hat die Kraft, unsere Gesellschaft weiter zu spalten. Richtig gemacht, kann sie aber auch der Leitfaden für eine neue Gemeinschaftlichkeit sein. Damit wir beim Klimaschutz mit breiter Akzeptanz vorankommen, wäre es jetzt wichtig, die Diskussion nicht auf eine CO2-Steuer zu verengen. Ein Blick über den klimapolitischen Tellerrand machte schnell deutlich, dass es noch weitere bedeutende Baustellen gibt: ungebremstes Artensterben, Rohstoffknappheit und vor allem eine soziale Schere, die sich weiter dramatisch öffnet. Klimapolitik muss auch diese Probleme adressieren, wenn sie nachhaltig erfolgreich sein will. Leider ist das gerade nicht der Fall. Vor allem Klimapolitik über den Geldbeutel, bei der die soziale Frage ausgeblendet wird, geistert als laute Forderung durch die aktuellen politischen Debatten. Das klingt dann zum Beispiel so: Fossile Energie muss teurer werden und Billigflieger sollen nicht mehr starten. …