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Grün, grün, grün sind alle meine Kleider

„Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“ – das alte Volkslied konnte nicht ahnen, dass sich mit dieser Farbe einmal gute Geschäfte machen lassen. Stellt ein Unternehmen fest, dass für seine Produkte irgendwo die Umwelt im Globalen Süden leidet oder Menschenrechte verletzt werden, gibt es zwei Wege damit umzugehen: die Probleme abstellen und öffentlich darüber reden – das ist eine hilfreiche Orientierung für den Einkaufskorb. Oder die Probleme lassen, wo sie sind, und nur das Reden darüber grün färben. Für Letzteres gibt es einen Namen: Greenwashing.

Um genau diesen Unterschied ging es bei der Konferenz „Faire Geschäfte oder leere Versprechen?“ am 16. Juni 2026 im Bremer Güterbahnhof, veranstaltet von denkhausbremen gemeinsam mit der Hochschule Bremen, dem Netzwerk bremen.global, dem Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung sowie der Kampagne für Saubere Kleidung. Der Güterbahnhof, ein altes Industrieareal, heute Ort für Kunst und Kultur, war Bühne für Debatte, auch für Streit in der Sache, aber auch für verschiedene Perspektiven auf ein vielschichtiges Thema.

Den Anfang machte die Politik: Staatsrat Kai Stührenberg schilderte, wie in der Seefahrt Arbeitnehmerrechte mit Füßen getreten werden und wie wenig es kosten würde, das zu ändern. Er machte deutlich, dass auch linke Wirtschaftspolitik funktionieren kann – schließlich ist er Staatsrat im Bremer Wirtschaftsressort.

Im anschließenden öffentlichen Werkstattgespräch erklärte Felix Ahlers, Vorstandsvorsitzender der Frosta AG, wie er zum Reinheitsgebot ohne Zusatzstoffe kam. Er musste aber auch einräumen, dass Frosta für Handelsketten Rezepturen anmischt, bei denen dieses Reinheitsgebot keine Rolle mehr spielt, und dass die Zutaten aus aller Welt stammen. Wichtig sei am Ende Transparenz: Zumindest bei der eigenen Marke stünden alle Zutaten auf der Verpackung. Diskutiert wurde auch das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) für nachhaltige Fischerei, dessen Glaubwürdigkeit etwa von Greenpeace infrage gestellt wird; auf den Einwand, ob man dann nicht besser ganz auf das Siegel verzichten solle, entgegnete Ahlers, dass der MSC durchaus kleine Verbesserungen bewirke.

Beate Zimpelmann, Professorin an der Hochschule Bremen, setzte sich ausdrücklich dafür ein, dass solche Zukunftsdebatten nicht ohne die Beteiligung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, insbesondere über deren Gewerkschaften, geführt werden. Danach kam Ursula Bittner, Wirtschaftsexpertin bei Greenpeace Österreich, zu Wort und ging auf die verschiedenen Facetten des Greenwashing ein: wie Unternehmen ihre fragwürdigen Praktiken sprachlich in ein besseres Licht rücken.

Am Nachmittag gab es drei parallele Workshops. Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW erklärte, wie es um Verpackungen bestellt ist und wo dabei gemogelt und geschönt wird – sein Fazit: Verbraucherinnen und Verbraucher sollten aufpassen. Die Journalistin Kathrin Hartmann führte in das weite Feld der CO2-Kompensationen ein. Und Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe erklärte, wie beim Thema Bekleidung fragwürdige Praktiken mit schönen Worten kleingeredet werden. In diesem Workshop sprach auch Daniela Bartsch von FEMNET über Audits und Siegel bei Kleidungsprodukten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion kamen ganz verschiedene Gesichtspunkte zusammen: aus der Bundespolitik, aus der Landespolitik, aus der aktivistischen NGO-Szene sowie aus der Unternehmenssicht. Mit dabei waren Sven Giegold, stellvertretender Bundesvorsitzender der Grünen, Arno Gottschalk, finanzpolitischer Sprecher der Bremer SPD, Jutta Kill, Biologin und Aktivistin, die unter anderem mit dem World Rainforest Movement zusammenarbeitet, sowie Miriam Arndt, zuständig für Corporate Responsibility Management bei der Otto Group. Diskutiert wurde, ob man mit dem Einkaufskorb die Welt retten kann oder ob staatliche Regeln der wirksamere Weg zu mehr Nachhaltigkeit sind. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Je nach Blickwinkel und Interessenlage fällt die Antwort auf diese Frage ganz unterschiedlich aus.

Natürlich lässt sich die Verantwortung der Verbraucherinnen und Verbraucher nicht wegdiskutieren, und es ist gut, beim Einkauf genau hinzuschauen. Aber genauso haben Menschen, die einen Laden betreten, ein Recht darauf, sich darauf verlassen zu können, dass dort keine Produkte stehen, für die anderswo Menschenrechte grob verletzt oder die Umwelt mit Füßen getreten wurde. Grün ist eben nicht gleich grün.