Es gibt politische Abende, an denen man sich wundert, dass die Demokratie überhaupt angezählt ist. Regierung, Opposition und Aktivismus saßen beieinander an diesem 16. April, diskutierten in der Sache, und auch die Bürgerinnen und Bürger, die mit großem Engagement mitgemacht haben, kamen zu Wort. Am Ende war es einer jener Abende, nach denen man das Gefühl hat, dass alle ein bisschen klüger nach Hause gegangen sind als sie gekommen waren. Das ist, in diesen Zeiten, keine Kleinigkeit.
Henrike Müller, einflussreiche Grüne und als Umweltsenatorin oberste Umweltschützerin der Regierung, Martin Michalik als stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft, und Heinrich Strößenreuther, Berliner Aktivist und einer der erfolgreichsten Campaigner der Republik – das Dreigestirn auf dem Podium hätte unter anderen Vorzeichen ein klassisches Anschauungsbeispiel für politische Verhärtung abgeben können. Stattdessen: Einigkeit. Stadtbäume sind wichtig. Das Klima braucht sie. Die Menschen auch. Wer wollte da widersprechen?
Strößenreuther, der in Berlin bereits den Fahrradentscheid erfolgreich durch die Instanzen gebracht hatte, brachte den Berliner Baumentscheid als mögliche Blaupause für Bremen ins Spiel. Man könnte es Hauptstadtimport nennen, oder einfach: das Rad nicht neu erfinden. Auch Michalik, der Klimapolitiker aus dem konservativen Lager, betonte die Bedeutung der Stadtbegrünung – was zeigt, dass Bäume bisweilen parteiübergreifend wirken wie kaum ein anderes politisches Thema.
Doch dann, bei einem kleinen Ausflug in die Verkehrspolitik, zeigte sich, dass die Wirklichkeit nach wie vor unbequem ist. Wo die einen Parkplatz sehen, sehen die anderen Radweg. Das ist kein Bremer Phänomen, das ist Deutschland.
Und dann das Geld. Strößenreuther, der Berliner mit dem Blick für das Machbare und das Unmachbare, machte unmissverständlich klar: Tausende neue Stadtbäume – die es bräuchte, um den Sommer in den Städten halbwegs erträglich zu halten – kosten tausende Euro pro Baum. Der Staat kann das nicht alleine stemmen. Also muss der Bürger ran, ehrenamtlich, engagiert, mit Gießkanne und gutem Willen.
Das Publikum zeigte dabei, was in solchen Abenden steckt: Initiativen, die ungeduldig auf Pflanzungen warten. Gruppen, die gegen Fällungen kämpfen. Menschen, denen ein Baum in ihrer Straße so viel bedeutet wie anderen ein Eigenheim. Das zeigt die tiefe emotionale Verwurzelung von Bäumen bei den Menschen.
In Bremen, so weiß man, begegnet man sich mehrmals. denkhausbremen und der BUND werden dafür sorgen, dass aus den schönen Klimakonzepten dieser Stadt keine Schubladen-Poesie wird. Ob das gelingt? Die Straßenbäume wissen es noch nicht. Sie wachsen einfach weiter – falls man sie lässt.
Programm
Begrüßung
Jonas Daldrup, denkhausbremen & Katharina Fuchs, BUND Bremen
Grußwort
Dr. Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen
Impulsvortrag
Heinrich Strößenreuther, Bundesweit bekannter Umweltaktivist und Initiator des BaumEntscheid Berlin
„Der BaumEntscheid Berlin als Erfolgsmodell für mehr Stadtbäume“
Podiumsdiskussion: Möglichkeiten und Perspektiven für mehr Stadtbäume in Bremen
- Dr. Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen
- Heinrich Strößenreuther, Bundesweit bekannter Umweltaktivist und Initiator des BaumEntscheid Berlin
- Martin Michalik, MdBB, Sprecher für Klima und Nachhaltigkeit und stellv. Vorsitzender CDU-Fraktion
Moderation: Peter Gerhardt, denkhausbremen
„Klimabäume für Bremen“ – Tagungsreihe mit Pflanzaktion
Die Veranstaltung ist Teil unserer Veranstaltungsreihe „Klimabäume für Bremen“, die die Bedeutung von Stadtbäumen in den Fokus rückt.
Grüne Städte sind lebenswerte Städte – und die Zustimmung zu Stadtgrün ist groß, quer durch alle gesellschaftlichen Gruppen. Fachleute von NGOs, Bremer Behörden und anderen Institutionen haben dazu bereits zahlreiche Forderungen und Konzepte entwickelt. Unsere Tagungsreihe bietet eine Plattform für den Dialog: zwischen Bürger:innen, Verwaltung, Forschung und Zivilgesellschaft.
Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:
- Welche Möglichkeiten für bürgerschaftliches Engagement gibt es?
- Was plant die Bremer Landesregierung?
- Und welche Hürden stehen einem grüneren Bremen noch im Weg?
Wir reden nicht nur – wir pflanzen auch!
Neben Diskussionen und Fachwissen setzen wir auch ganz praktische Zeichen: Im Herbst 2025 haben wir an verschiedenen Orten in Bremen neue Bäume gepflanzt. Dabei kooperieren wir mit Vereinen, Bürgerhäusern, Bildungseinrichtungen und Bürger:innen, die sich bereit erklärt haben, die Pflege der jungen Stadtbäume zu übernehmen – ein starkes Zeichen für gemeinsames Engagement und gelebten Klimaschutz.
Gemeinsam machen wir Bremen grüner!
Gefördert durch die Senatorin für Umwelt, Klima, Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen.
















