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Kein Raubbau im Wald für eine falsche Energiewende

Gemeinsame Stellungnahme deutscher Umwelt-und Entwicklungverbände zu Holz-Biomasse

 

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Wälder sind für den Schutz der Artenvielfalt und unseres Klimas unersetzlich, sie bilden die Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen. Dennoch sind die globalen Waldökosysteme bedroht. Die Ursachen dafür sind vielfältig – vom illegalen Holzeinschlag über die Expansion von Agrarflächen bis hin zum hohen Rohstoffbedarf der Papier- und Zellstoffindustrie. In der Folge werden Wälder kahlgeschlagen, übernutzt oder in artenarme Nutzholzplantagen umgewandelt.

Jetzt geraten die Wälder zusätzlich im Namen des Klimaschutzes unter Druck. Ein Grund dafür ist die falsche Entscheidung der EU, das Verbrennen von Holz als klimaneutral zu werten. Damit wird den EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit eröffnet, Holzbiomasse für die Strom- und Wärmeproduktion als Klimaschutzmaßnahme zu subventionieren.

Es ist nun zu befürchten, dass auch in Deutschland die energetische Nutzung von Holzbiomasse in großem Maßstab weiter gefördert wird. Die Bundesregierung will noch im Jahr 2020 maßgebliche Gesetze und Verordnungen dafür auf den Weg bringen:

  • Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird im Bundestag beraten. Im Gesetzesentwurf ist eine höhere Förderung von aus Biomasse erzeugtem Strom vorgesehen und das jährliche Ausbauziel soll von derzeit 200 MW auf dann 500 MW deutlich gesteigert werden.
  • Bis Ende des Jahres will die Bundesregierung die Verordnung zur Förderung für Erneuerbare Wärme fertigstellen. Hier sind ebenfalls deutliche Anreize zur Nutzung von Holz als Energieträger vorgesehen.
  • Im Rahmen des Kohleausstiegsgesetzes will die Bundesregierung bis Ende 2020 ein Förderprogramm für die Umstellung von Kohlekraftwerken auf Biomasse auf den Weg bringen.

Der Druck auf den Wald wird dabei nicht nur durch ein falsches Verständnis von Klimaschutz durch Biomasse erhöht. Befeuert werden diese Debatten von internationalen Investoren in Deutsche Holzbiomasse-Kraftwerke oder dem US-Holzpellet-Riesen Enviva, die mit großem Aufwand versuchen, die mit großem Aufwand als Lobbyisten die politische Landschaft in Deutschland bearbeiten.

Auch in der bundesdeutschen Forstwirtschaft, die nach Absatzmöglichkeiten für ihr Schadholz sucht, werden Stimmen lauter, die sich für den industriellen Einsatz von Holzbiomasse in der Energieproduktion aussprechen. Hier besteht die Gefahr, dass die installierten Anlagen langfristig mit importierter Holz-Biomasse auch aus fragwürdiger Herkunft betrieben werden, nachdem das Schadholz innerhalb von ein paar Jahren aufgebraucht sein wird.

Der Einsatz von Holz-Biomasse als Brennstoff für die Energieproduktion wird aus folgenden Gründen als problematisch bewertet:

  1. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist die Verfeuerung von Holz nicht klimaneutral. Die energetische Nutzung von Holz trägt über die für die Klimakrise relevanten Zeiträume hinaus deutlich zum Treibhauseffekt bei. Die Zeit, die von Wäldern benötigt wird, um die Kohlenstoffemissionen aus energetischer Holz-Nutzung wieder einzufangen, beträgt in der Regel viele Jahrzehnte. Gleichzeitig vermindert eine intensivere Nutzung die Fähigkeit der Wälder, Kohlenstoff langfristig zu binden. Darüber hinaus entsteht beim Verbrennen von Holz pro Energieeinheit mehr CO₂ als beim Verbrennen fossiler Brennstoffe.
  2. Um den Rohstoffbedarf für die Holzbiomasse-Kraftwerke zu decken, gehen die Betreiber auf globale Einkaufstour. Umweltverbände aus den USA oder dem Baltikum schlagen schon jetzt Alarm, weil dortige Wälder als Brennmaterial in deutschen Kraftwerken landen könnten. Auch Länder aus dem globalen Süden stehen hier im Fokus: Vattenfall scheiterte nur knapp mit seinen Plänen, Holz aus Liberia in seinen Berliner Kraftwerken zu verfeuern und in Hamburg soll Buschholz aus Namibia zur Energieproduktion zum Einsatz kommen.
  3. Auch für die deutschen Wälder ist eine erhöhte Holznachfrage keine gute Nachricht. Gesteigerte Einschlagsmengen würden die hiesigen Waldökosysteme weiter schwächen und deren Funktionen für Klimaschutz und Artenvielfalt beeinträchtigen. In Deutschland gibt es aus ökologischen Gründen keine Holzmengen, die noch frei verfügbar wären. Der jährliche Holzzuwachs wird nahezu vollständig geerntet und seit vielen Jahren wird bereits ein wesentlicher Teil des geernteten Holzes verbrannt. Gleichzeitig fehlt im Wald Totholz als wichtiges Strukturelement für Artenvielfalt, Nährstoffverfügbarkeit und Humusaufbau. Wir müssten für den Klima- und Artenschutz viel mehr Holz im Wald belassen.
  4. Das Verbrennen von Holzbiomasse widerspricht auch dem Prinzip der Kaskadennutzung, zu dem sich die Bundesregierung unter anderem in ihrer Bioökonomiestrategie verpflichtet hat. Demnach sollte Holz zunächst in langlebigen Produkten stofflich genutzt und erst am Ende der jeweiligen Lebenszyklen für die Energieproduktion verbrannt werden.
  5. Der Einsatz von Holzbiomasse ist nur mit massiver öffentlicher Förderung möglich. Allein für die Umstellung des RWE-Kohlekraftwerks im niederländischen Geertruidenburg erhält der Energieriese über 1,7 Milliarden Euro an Subventionen. Auch in der Bundesrepublik spekulieren Investoren bereits auf großzügige öffentliche Unterstützung für den Einsatz von Biomasse in der Energieproduktion.
  6. Nachhaltigkeitszertifikate sind in diesem Zusammenhang ungeeignet, um den negativen Auswirkungen der Holzbiomasse-Verfeuerung angemessen zu begegnen. Auch wenn Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft verbrannt wird, trägt es zum Anstieg des CO₂-Gehaltes in der Atmosphäre und damit zur Klimakrise bei. Darüber hinaus verhindern Zertifikate nicht die weitere Expansion dieser nicht nachhaltigen Energieproduktion.

Wir müssen die Waldwirtschaft den planetaren Grenzen anpassen und mit dem wertvollen Rohstoff Holz sorgsam umgehen. Die direkte Verbrennung ist dabei die schlechteste Lösung. Die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern sollten daher die weitere Expansion der industriellen Holzbiomasse-Energieproduktion unterbinden und keine öffentlichen Gelder für diesen falschen Klimaschutz verschwenden.

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