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Fachkonferenz: Papiersparen – Verpackungen im Fokus

Weit über 60 Konferenzteilnehmer*innen aus China, den USA, Kanada, Europa und der Bundesrepublik waren nach Bremen gekommen, um über Lösungen gegen die Papier- Verpackungsflut zu diskutieren. Eingeladen hatten denkhausbremen und das Environmental Paper Network – gekommen waren Vertreter*innen aus Handel, Logistik, Fachverbänden, Wissenschaft, Eine-Welt-Netzwerken sowie Natur- und Umweltschutz.

Der Tagungsort war gut gewählt, denn Deutschland ist beim Pro-Kopf-Verbrauch weltweit vorne mit dabei. Ca.120 kg Papierverpackungen verbrauchen die Bundesbürger*innen jährlich im Durchschnitt – Tendenz steigend.

Was also tun gegen die Pakete-Flut von Amazon und Co., vollkommen überflüssige Umverpackungen bei Kosmetika und Lebensmitteln und die Papierverschwendung in Logistik und Handel? Darauf versuchten die Referent*innen Antworten zu geben.

Tag 1: Dialog mit Industrie und Handel

Daniel Müsgens vom Umweltverband WWF machte deutlich, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Allein die Frage, ob Plastik oder Papier das ökologisch vorteilhaftere Material ist, lasse sich nicht so einfach beantworten.

Ähnlich äußerte sich Olaf Dechow von der Otto Group. Für einzelne Kleidungsstücke könne ein Folienbeutel die ökologische Alternative zu einem Pappkarton sein. Otto experimentiere außerdem damit, bereits verpackte Ware möglichst ohne weitere Umverpackung aus Pappe auf die Reise zu schicken.

Almut Reichart vom Umweltbundesamt kündigte an, bald mehr Licht in den Versand-Dschungel zu bringen. Ihre Behörde plane einen neuen “Blauen Engel” sowohl für Kartons als auch für komplette Versandsysteme.

Dass der Handel ebenfalls was tun könne, betonte Lothar Hartmann vom Öko-Büroversender Memo. Er präsentierte mit der Memo-Box ein Mehrweg-Versandsystem, das Papierkartons überflüssig macht.

Ein weiterer Lösungsansatz aus der Praxis kam vom Kosmetikhersteller- Lush aus Großbritannien. Ruth Andrade und Nick Kendall erläuterten das Konzept “Going Naked”, bei dem Lush für seine Seifen komplett auf Umverpackungen verzichtet.

37.000 Pakete werden in China pro Minute in den Versand gegeben. Das war eine der eindrücklichen Zahlen, die Wen Bo vom Chinesischen Environmental Paper Network präsentierte. Der chinesische Versandhandel experimentiere ebenfalls bereits mit Mehrwegsystemen, so Wen Bo weiter.

Abgerundet wurde der erste Tag durch eine Podiumsdiskussion mit Christoph Thies (Greenpeace), Sergio Baffoni (Environmental Paper Network), Winfried Peters (Forum Ökologisch Verpacken) und Friederike Farsen (Verbraucherzentrale NRW).

Tag 2: Strategietag der Umwelt- und Entwicklungsorganisationen

Die Schottin Mandy Haggith vom Environmental Paper Network mahnte die Umweltverbände, sich auf das Thema Papiersparen zu konzentrieren und nicht durch Diskussionen z.B. zu Recycling vom Ziel abbringen zu lassen. Ihre Kollegin Anne Pernick aus den USA berichtete von Papierspar-Initiativen aus Nordamerika.

Neva Murtha von der kanadischen Umweltorganisation Canopy diskutierte ein kontroverses Thema: Sie schlug vor, bei der Herstellung von Papier und Pappe nicht ausschließlich auf Holz, sondern auch auf alternative Fasern wie Weizenstroh als Rohstoff zu setzen.

Angelika Krumm von Robin Wood hatte die Verbrauchszahlen der Herkunftsländer aller Konferenzteilnehmer*innen statistisch ausgewertet und machte nochmals deutlich, auf welch hohem Niveau sich der Papierverbrauch in den Industrienationen verfestigt hat.

Was umweltbewusste Verbraucher*innen bei Papierverpackungen wirklich stört – darauf ging vor allem Friederike Farsen von der Verbaucherzentrale NRW ein, die ihre Aktion “Verpackungsärger” präsentierte.

Sina Leipold, Juniorprofessorin an der Universität Freiburg, gab die Prognose ab, dass die aktuelle Anti-Plastik-Politik der EU den Verbrauch an Papierverpackungen möglicherweise weiter steigern könne.