Autor: michael.gerhardt

Martin Tertelmann: Spaltung unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen!

Martin Tertelmann ist Koordinator der Denkfabrik – Forum für Menschen am Rande sowie Bereichsleiter für Presse und Medien des Sozialunternehmens Neue Arbeit gGmbH in Stuttgart. Für bundesweites Aufsehen sorgte die Denkfabrik mit der Studie „Gib mir was, was ich wählen kann.“, in der Langzeitarbeitslose selbst langzeitarbeitslose Nichtwähler zu ihren Motiven befragen. denkhausbremen hat am 08. Oktober 2018 das Denkfabrik-Team besucht und dieses Interview geführt. denkhausbremen: Was genau ist die Denkfabrik und wie hat sie sich gegründet? Martin Tertelmann: Ich bin seit acht Jahren beim Sozialunternehmen Neue Arbeit gGMBH für Pressearbeit und Marketing zuständig. Im Jahr 2012 haben wir im Zuge der Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise die großen Kürzungen im Sozialbereich, besonders bei der Arbeitshilfe, erleben müssen. Es wurden von der Regierung die Eingliederungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose insgesamt um etwa die Hälfte gekürzt. Darüber hinaus wurden die Rahmenbedingungen verschärft. Damals haben wir gesagt, wir wollen nicht nur reagieren, wir wollen anwaltschaftliche Lobbyarbeit für Langzeitarbeitslose auf allen föderalen Ebenen an den Start bringen. Darum haben wir die “Denkfabrik – Forum für Menschen am Rande” gegründet. Wir machen uns …

Frank Jäger: Selbst Akteur sein und nicht komplett fremdgesteuert leben.

Frank Jäger ist seit 2006 als Sozialberater, Referent und Onlineredakteur für den Wuppertaler Erwerbslosen- und Sozialhilfeverein Tacheles e.V. tätig. Darüber hinaus ist er seit 2008 zusammen mit Harald Thomé Herausgeber des Leitfadens Alg II/Sozialhilfe von A-Z. denkhausbremen hat die Initiative am 19.09.2018 in Wuppertal besucht und mit Frank Jäger dieses Interview geführt. denkhausbremen: Wie sind Sie zum Tacheles e.V. gekommen und was ist Ihre Aufgabe hier? Frank Jäger: Ich bin 2006 nach Wuppertal gekommen, um Tacheles bei der Sozialberatung und der politischen Arbeit zu unterstützen. Hier bin ich in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Selbstorganisation und Vernetzung für den Verein tätig. Wir sind bundesweit sehr gut vernetzt mit anderen Erwerbslosen-Initiativen und versuchen immer wieder mit gemeinsamen Projekten für uns wichtige Themen in die Öffentlichkeit zu bringen. Aktuell gibt es das Bündnis “AufRecht bestehen!”. Hier sind verschiedene Erwerbslosen-Gruppen und die Nationale Armutskonferenz im Boot und versuchen gemeinsam, die Probleme bei den Unterkunftskosten im Bereich Hartz IV und Sozialhilfe zu skandalisieren. Die Leistungen fürs Wohnen reichen oft nicht zur Deckung der tatsächlichen Mietkosten und die Betroffenen werden dadurch unter …

Sprachlosigkeit zwischen den Milieus überwinden

Die Demokratien in den europäischen Industriestaaten stehen im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung vor zahlreichen Herausforderungen. Die Gesellschaft driftet von der materiellen Leistungskraft immer weiter auseinander. Es lassen sich zahlreiche Absetzbewegungen beobachten: Stadt versus Land, reich gegen arm, digital gegen analog. Wenige Superreiche erwirtschaften mit ihren Finanz- und Immobiliengeschäften immer größere Gewinne, wobei die Mittelschicht sich von finanziellem Abstieg bedroht sieht. Ein sogenannter “prekarisierter” Teil der Gesellschaft nimmt kaum noch an öffentlichen Prozessen teil und verharrt dauerhaft in niedrigen Lohnersatzleistungen und Mindestrenten. Auch stetiges Wirtschaftswachstum ändert daran für diesen Bevölkerungsteil nichts und trägt zu keiner Stabilisierung bei. Darüber hinaus wird immer unklarer, was lokale und nationale Politik überhaupt noch bewirken können. Auch in Deutschland zieht mit der AfD erstmals seit den 70er Jahren eine rechtspopulistische Partei in den Bundestag; gleichzeitig gibt es eine Kernschmelze bei den Volksparteien, worunter besonders die Sozialdemokratie leidet. Die Demokratie in Deutschland steht also vor immensen Herausforderungen: Auf allen Ebenen stellt sich die Frage, wie sieht es mit der Partizipation der Bevölkerung am politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess aus? Wie können gerade …

denkhausbremen startet Projekt “Zukunftslabore von unten”

Plattform für Initiativen aus dem einkommensschwachen Teil der Bevölkerung: denkhausbremen startet das Projekt “Zukunftslabore von unten” Das Projekt “Zukunftslabore von unten” zeigt konkrete Beispiele aus der Praxis auf, in der Initiativen direkt aus dem sogenannten “abgehängten” Teil der Bevölkerung erfolgreich den Impuls für eine Beteiligung am Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess gegeben haben. Wichtig ist dabei, dass das Projekt sich auf positive Initiativen fokussiert, die von einkommensschwachen Personengruppen mit angestoßen wurden. Dabei stellt das Projekt folgende Anforderungen an die möglichen Beispiele: Die Initiative wurde von den Betroffenen selbst mitinitiiert und hat etwas bewegt. Es gibt die Bereitschaft, die eigene Initiative in der Öffentlichkeit vorzustellen und Wissen weiterzugeben. Das Beispiel verfolgt progressive und demokratische Ziele. Das Projekt ist keine reine Selbsthilfegruppe, sondern hat eine gewisse Leuchtturmfunktion und lässt sich übertragen. Das Projekt stellt dazu diese Homepage bereit, auf der sich im Projektverlauf erfolgreiche Initiativen aus dem einkommensschwachen Teil der Bevölkerung präsentieren und vernetzen können. So wird die öffentliche Sichtbarkeit dieser “Zukunftslabore von unten” erhöht und somit die Partizipation von unten gefördert. Kontakt: Michael Gerhardt (Projektleiter) E-Mail: michael.gerhardt@denkhausbremen.de

Debatte zwischen Umweltschützern und Industrie: Wie geht Nachhaltigkeit beim Hygienepapier?

Auf dem hochkarätig besetzten Fachkongress “Hygienepapier – Wege zu mehr Nachhaltigkeit” diskutierten die großen Umweltverbände mit Herstellern und Handel über Schritte in Richtung einer verantwortungsvollen Produktion von Papier für Babywindeln, Toilettenpapier oder Taschentücher. Größter Streitpunkt war, ob eine deutliche Einsparung beim Hygienepapier eine realistische Option für die Zukunft ist. denkhausbremen hatte gemeinsam mit Kooperationspartnern am 17. und 18. Januar 2018 zum Fachaustausch bundesweit nach Bremen eingeladen. Die Umweltverbände brachten sich mit Expert*innen von u.a. WWF, Greenpeace, BUND, Robin Wood und Environmental Paper Network (EPN) ein. Für den Handel sprachen Vertreter*innen von ALDI Nord und Bio Company. Die Industrie wurde von Fachleuten der großen Hygienepapier-Hersteller WEPA und Fripa sowie vom schwedischen Forst- und Zellstoff-Konzern Södra repräsentiert. Einig waren sich Umweltverbände und Handel bzw. Industrie in der Einschätzung, dass der Einsatz von Recyclingpapier ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit ist. Die Papierexpertin Angelika Krumm von der Umweltschutzorganisation Robin Wood forderte, dass die Recyclingquoten weiter gesteigert und die Altpapiere sortenreiner erfasst werden müssten. Die Vertreter*innen von Industrie und Handel hielten dem entgegen, dass es für die Ausweitung von Recyclingpapier …

Experten empfehlen Zellstoffbleiche ohne chlorhaltige Chemikalien

Papier wird in erster Linie aus Zellstoff hergestellt, der aus Holz gewonnen wird. Dafür muss der Holzstoff Lignin aus den zukünftigen Papierfasern entfernt werden. Dazu stehen der Industrie verschiedene Verfahren zur Verfügung. Zellstoff kann entweder mit Chlordioxid oder mit Hypochlorit gebleicht werden. Aufgrund der schlechte Ökobilanz wird das Bleichen mit elementarem Chlor nur noch selten angewendet. Komplett chlorfreie Verfahren mit Wasserstoffperoxid oder Ozon werden vor allem in Skandinavien verwendet. Mit Chlordioxid gebleichter Zellstoff wird auch als ECF (elementary chlorine free) bezeichnet. Bei diesem Verfahren besteht jedoch die Gefahr, dass sich Schadstoffe in den Endprodukten wiederfinden können. Erst vor kurzem konnte das ZDF-Verbrauchermagazin WISO Dioxin bei Pampers Babywindeln nachweisen: hier klicken… Ein von Umweltexperten empfohlenes Alternativverfahren ist TCF-Zellstoff (totally chlorine free), der mit Wasserstoffperoxid oder Ozon gebleicht wurde: hier klicken für Fachbeitrag dazu vom Environmental Paper Network (EPN)…  

Fachkongress „Hygienepapier – Wege zu mehr Nachhaltigkeit“

Auf dem Fachkongress „Hygienepapier – Wege zu mehr Nachhaltigkeit“ werden Lösungsstrategien für einen verantwortungsvollen Umgang bei der Produktion sowie dem Handel und Konsum von Hygienepapier diskutiert. Der Kongress richtet sich an NGOs, Hersteller, Handel und interessierte BürgerInnen und wird gemeinsam von Environmental Paper Network, Hochschule Bremen und denkhausbremen veranstaltet. Er findet am 17. und 18. Januar 2018 in Bremen statt. Was können die VerbraucherInnen tun? Wie können Hersteller und Handel ihre Verantwortung wahrnehmen? Was ist die Rolle von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen? All diese Fragen werden auf dem Fachkongress diskutiert und mögliche Lösungsstrategien erarbeitet. Ort und Termin Mittwoch, 17.01.2018 (11.00 Uhr) bis Donnerstag, 18.01.2018 (ca. 15.30 Uhr) Jugendgästehaus Bremen, Kalkstraße 6, 28195 Bremen Kongressprogramm   ReferentInnen   Veranstalter   Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit finanzieller Unterstützung des  

Degrowth und Mobilität

Unter der Fragestellung “Wie wird sich unsere Mobilität verändern und was bedeutet das für die Beschäftigten im Automobilsektor?” hatte denkhausbremen am 16. November 2017 in die Bremer Bürgerschaft geladen. Verkehrsforscher Helmut Holzapfel vom Zentrum für Mobilitätskultur Kassel diskutierte mit Elke Tönjes-Werner, stellv. Betriebsratsvorsitzende der Mercedes-Benz-Werke in Bremen. Der Diskussionsabend fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Arbeit ohne Wachstum?” statt, die gemeinsam mit Arbeitnehmerkammer Bremen und Hochschule Bremen durchgeführt wird. “Für die Umwelt und die Menschen in den Städten kommt es schlicht darauf an, dass insgesamt weniger Autos auf den Straßen fahren”, betonte Helmut Holzapfel. Er machte deutlich, dass viele Umweltfolgen auch mit Elektroautos bestehen bleiben. So entstünden 80 bis 90 Prozent des Feinstaubs im Straßenverkehr nicht durch die Motoren, sondern durch den Abrieb von Bremsen und Reifen. Zudem nehmen Gewicht und Größe von Autos derzeit mit jedem neuen Modell zu. Fortschritte bei der Effizienz würden so stets wieder zunichte gemacht. Ein zukunftsfähiger Ansatz für die etablierten Automobilkonzerne sei das Anbieten von Mobilitäts-Services als neues Geschäftsmodell. Holzapfel entwirft eine andere Art urbaner Mobilität: Mit Hilfe weitsichtiger Stadtplanung …

Steuertrick-Konzern und SUV-Freund zu Gast beim 30. Bremer Unternehmerforum

PRESSEMITTEILUNG: Das Donnerstag (23.11.17) im Bremer Parkhotel stattfindende 30. Unternehmerforum verpasst sicher die Chance, über wirklich relevante Zukunftsfragen zu diskutieren – das zeigt allein ein Blick auf die Referentenliste. Podiumsgäste sind u.a. Steuervermeider wie Microsoft oder der Cheflobbyist vom Autoverband VDA, die Konzernprofite über das Allgemeinwohl stellen. Das kritisiert die Organisation denkhausbremen, die gemeinsam mit den großen Umweltverbänden die sozial-ökologische Transformation diskutiert. Am liebsten reden Techkonzerne wie Microsoft über wolkige Themen wie Digitale Transformation, Web 4.0 oder kommunizierende Kaffeemaschinen. Von Microsoft können die Bremer UnternehmerInnen aber vor allem lernen, wie man sich trotz Milliardengewinne erfolgreich arm rechnet und in der Hitliste der Steuervermeider einen Spitzenplatz einnimmt. Über 100 Mrd. soll der Softwareriese vor dem Zugriff der Allgemeinheit in sogenannten Steueroasen geparkt haben. Podiumsgast Matthias Wissmann und seinem VDA (Verband der Automobilindustrie) ist es zu verdanken, dass ein Spritfresser wie der Porsche Cayenne das gleiche EU-Ökolabel tragen darf wie der Kleinwagen Renault Twingo. Wie es dazu kommen konnte? Der VDA soll nach Recherchen der Organisation Lobbycontrol den Politikern den Verordnungstext mehr oder weniger direkt diktiert haben. …

Umweltausschuss des Europäischen Parlaments setzt falsches Signal zum Klimaschutz!

Rückschlag für Klimaschutzstrategie der EU bis 2030: Umweltausschuss des Europäischen Parlaments will an Holzverfeuerung zur Stromerzeugung festhalten! Die Europäische Union überarbeitet derzeit ihre Klimaschutzstrategie bis 2030. Auch die derzeitige Praxis der Anerkennung von industrieller Holzverfeuerung zur Stromerzeugung als Klimaschutzmaßnahme steht in Brüssel auf dem Prüfstand. Die EU-Kommission hat dafür bereits seine Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie vorgelegt, die in der Brüsseler Bürokratensprache das Kürzel RED II (Renewable Energy Directive) trägt. Zeit für eine erste Wasserstandsmeldung aus den Ausschüssen des Europäischen Parlaments, die nichts Gutes erwarten lässt und bisher in die falsche Richtung weist. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (ENVI) hat sich in seiner Sitzung am 23. Oktober 2017 gegen eine Änderung der bisherigen Praxis bei Biomasse ausgesprochen, d.h. eine Förderung von Verfeuerung von Holz zur Stromerzeugung soll weiterhin Teil der EU-Klimastrategie bis 2030 sein. Die Ergebnisse der Sitzung des Umweltausschusses zur zukünftigen Biomasse-Strategie der EU sind u.a.: Eine Verbesserung der Anforderungen an die Effizienz der Stromerzeugung aus Biomasse wird nicht angestrebt. Es soll keine Einschränkungen bei der Verwendung von Rundholz, ganzen Bäumen, und Stümpfen bei der Verbrennung …